Sich selbst erfüllende Prophezeiung nennt man das, wozu die Morning Benders mit der Titelgebung ihres zweiten Albums „Big Echo“ den ersten Schritt getan haben. Wobei man das Moment des Unbeabsichtigten getrost beiseite lassen kann: Das Quartett aus Berkley, Kalifornien hat mit dem Engagement von Grizzly Bears Chris Taylor als Co-Produzenten eine prominente Wahl getroffen, gemeinsam haben sie den Songs sakrale Räume eingerichtet.

In denen legen sie mit einem Walzer im 3/4-Takt los. „Da-Dam, Da-Dam“ schunkeln sie durch „Excuses“ und spulen mit Geige, Melotron und Glockenspiel neben Bass, Gitarre und Schlagzeug allerhand Programm ab. Beim Höhepunkt des Albums, „Promises“, wird das Tempo dann angezogen, die Gitarre schneidender gespielt, während Frontmann, Songwriter und Produzent Christopher Chu mutmaßt: „I think we grow up too fast.“ Wie um dem entgegenzuwirken bricht der Song nach drei Minuten abrupt ab – ganz so, als könne es die junge Band nicht erwarten, all die anderen, bezirzenden Melodien vorzuführen und den Hörer damit einzuwickeln.

Aufgenommen wurde im Studio „The Hangar“, passenderweise klingt „Big Echo“ auch weiträumig oder gar gravitätisch, was auf der anderen Seite mitunter aber zu Lasten der Transparenz geht, so dass auch nach einigen Hördurchgängen die im Booklet aufgeführten Instrumente wie Fake Ondes Martenot, Floor Tom und Alligator nicht wirklich ausfindig gemacht werden können. Herausragend in Stellung gebracht wurden indes die perkussiven Elemente, neben dem regulären Drumset ist immer mindestens noch ein Tamburin dabei, bisweilen gesellen sich auch Handclaps, Kuhglocken oder Shaker hinzu.

Vom sakral hallenden Sound her hört man deutlich Chris Taylors Handschrift heraus, aber anders als Grizzly Bear wissen die Morning Benders auch mal das Tempo anzuziehen, wenn sie etwa in „Cold war“ das nahende Ende besingen, dazu aber surfenden Twang-Pop zirpen lassen. Gerade in den rasanteren Momenten scheint der wagemutig geschichtete Turm aus Instrumenten und Arrangements ins Wanken zu geraten. In diesen Momenten der scheinbaren Unordnung erinnern die Morning Benders an Wilco in deren experimenteller Phase oder stellenweise auch an Animal Collective. Wirkliche Gefahr droht dem Album jedoch zu keinem Zeitpunkt, dazu klingen die Songs zu clever und reflektiert. Der Eindruck des Streberhaften und all zu Gewollten gepaart mit den Hall-Kathedralen, die immer eine Distanz zwischen Songs und Hörer schaffen, verhindern aber letztendlich, dass aus Anerkennung Begeisterung wird. Der Lobgesang aber wird in großen Wellen über dieses Album herein brechen, die Prophezeiung sich erfüllen.

72

Label: Rough Trade (Beggars / Indigo)

Referenzen: Grizzly Bear, Wilco, Animal Collective, Local Natives, Girls, Fleet Foxes, Dirty Projectors

Links: Homepage, MySpace

VÖ: 18.06.2010

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