Im Indiepop gibt es im Großen und Ganzen zwei zu verschiedenen Graden kombinierte Methoden, mit denen sich am 60er-Pop von Girlgroups und Garfunkel abgearbeitet wird. Dass die eine, mit garagig verzerrtem Geschrammel, auch heute noch gut funktionieren kann zeigten letztes Jahr The Pains Of Being Pure At Heart oder jüngst Dum Dum Girls. Für die andere, retrohaftigere Variante erwies sich in den letzten Jahren mit Gruppen wie Camera Obscura oder Lucky Soul das Vereinigte Königreich als fruchtbarer Nährboden und schickt nun mit The School aus Cardiff einen vielversprechenden Anwärter für die Indiepop-Platte des Jahres ins Rennen.

Das Melodie- und Arrangement-Können dafür hat Sängerin und Songwriterin Liz Hunt allemal in der Tasche. Schellen, Trompeten, Geigen, Handclaps, weiblicher Wechselgesang („Slip let it slip“ / „Oo just say it“) und eine triumphal voranpreschende Leitmelodie – bereits mit „Let It Slip“ wird gleich zur Eröffnung das volle Schul-Arsenal in Perfektion und zu bezauberndem Effekt aufgefahren. Wie hier drehen sich die Texte allein um Herzensangelegenheiten, ob Vernarrtheit auf den ersten Blick („I love everything about you“), ungläubige Treuezweifel („Is it true what they say? Cos I don’t wanna be alone“) oder Abweisung eines reuigen Ex („The one who left me“) geben sie direkte Einblicke in Gedankengänge, die zwar zum Teil simpel sein mögen, aber zu überhöhter Wichtigkeit erhoben werden – wie das halt im emotionalen Vollrausch passieren kann.

Auf Albumlänge mag das manchen ebenso zuviel des Tweeen sein wie die Musik, aber Zuckerschocks nicht fürchtende LiebhaberInnen süßer Harmonien kommen hier auf ihre Kosten. „Loveless Unbeliever“ vermeidet nicht nur in Sachen Geschwindigkeit mit flotteren Hüftschwingern, Midtemponummern und Balladen Monotonie, die zweite Hälfte des Albums bringt mit einem Duett, Mariachi-Bläsern und Castagnetten auch stilistische Variation. Und ein Stück Pop-Perfektion: Der unverkennbare „Be My Baby“-Trommelaufschlag und gemeinsam gen Himmel strebende Klavier- und Streichersaiten eröffnen „All I Wanna Do“, dessen warmer, „Wir gegen den Rest der Welt“-Refrain sich stetig selbst toppt bis sich über die zweite Wiederholung ein wahrer Geigenschwall herabsenkt und es wohlig-kehlige Seufzer nieselt. Dass nicht jeder Song auf dem Album diese Höhen erreicht, ist ein Manko mit dem es sich problemlos leben lässt.

78

Label: Elefant

Referenzen: Camera Obscura, Lucky Soul, Belle & Sebastian, The Ronettes, Gigi

Links: Myspace, Label

VÖ: 28.05.2010

Ein Kommentar zu “Rezension: The School – Loveless Unbeliever”

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