Das Bilden von Bands, das Zusammenraufen von Individuen zu einer mehr oder weniger festen Gruppe um gemeinsam Musik zu kreieren und live darzubieten, scheint bei zunehmend vielen Künstlern zum Nebengedanken zu geraten. Oft in Punk/Hardcore-Zirkeln verwurzelte Solokünstler wie Jay Reatard, Zola Jesus, Blank Dogs und Wavves oder auch die dem farbfreudigeren Synthpop hingewandten à la Memory Tapes, Nite Jewel oder Toro Y Moi warteten in jüngerer Zeit mit Werken auf, die auch ohne menschliche Unterstützung Gesang und so viele Instrumente unter einen Hut brachten, dass meistens nicht mal festzustellen war, wie viele Personen nun dahinter steckten.

Technische Fortschritte zur Erleichterung der Produktion und digitalen Distribution von Musik fördern derartige Einzelgänge mehr denn je, soweit, dass die Beteiligten oft genug auch erst dann überhaupt ihre Identität preisgeben müssen, wenn sie sich einmal doch Unterstützung suchen müssen um ihre Werke live darzubieten. Je komplexer oder vielschichtiger die Eigenproduktionen, desto größer die Schwierigkeit, sie im Konzertumfeld angemessen rüberzubringen ohne zum Halb- oder Vollplayback zu greifen.

Im Falle von Dum Dum Girls war der Schritt zur „richtigen“ Band wohl besonders unausweichlich. Nicht nur legt der Name des Projektes eben direkt schon eine mehrköpfige Damenbesetzung nahe, das Debütalbum „I Will Be“ wurde auch in mehreren Texten als das Werk einer solchen verstanden. Kurios, da die Rückseite des Albums „Dee Dee“ als einzige weibliche und – abgesehen von ein paar Gitarrenbeiträgen – auch überhaupt alleinige Spielerin dieser Songs ausweist. Wie bei ihren ersten Singles und EPs zeigt sich Dee Dee alias Kristin Gundred auch hier als Eine-Frau-Garagepop-Band für Drum, Bass, Gitarre und Gesang verantwortlich, letzteres auch mehrstimmig.

Ihre zu verschiedenen Graden blechern verzerrten und mit Hall versehenen Stimmen sorgen dabei mit ihren Harmonisierungen für schöne Kontraste, überhaupt sind die Gesangsmelodien die klare Hauptattraktion und erfreulicherweise auch angemessen deutlich vom Rest des Geschehens abgesetzt. Das aus dem Soundmix hervorstechende Schlagzeug diktiert dabei mit Schmackes den Vorwärtsdrall flotter Songs wie „Jail La La“ oder des mit solala-Deutsch aufwartenden „Oh Mein Me“, in der starken Mitte des Albums wird das Tempo dann öfters für schöne Midtempo-Nummern wie „Rest of Our Lives“ oder „Blank Girl“ gedrosselt. Letzteres ist übrigens ein Gesangsduett mit Gundreds Gatten Brandon Welchez, dem Ex-Sänger von The Plot To Blow Up The Eiffel Tower (heilige Hardcore-Historie!), und erinnert nicht nur seines Titels wegen an Gundreds letztjährige Kollaboration mit Mike Sniper in The Mayfair Set.

Dieses Niveau kann „I Will Be“ nicht durchgängig halten und dem neu eingekleideten 60s-Sound, an dem sich Indiepop und Garagepunk schon seit Jahrzehnten abarbeiten, kann das Album fast selbstredend auch keine neuen Facetten abringen, über die kurze Spieldauer, während der nie richtig die Puste ausgeht, fällt das aber nicht negativ auf. Interessant gestaltet sich unterdessen die Frage, ob Dum Dum Girls in Zukunft auf Tonträger kollaborativer agieren werden – und ob das Ergebnis kaum vom Solo-Sound unterscheidbar ausfällt wie die jüngsten Beiträge der Vivian Girls bei Blank Dogs, oder distinktiv anders wie bei Wavves, der nach einer gemeinsamen Tour gleich ein ganzes Album mit ADS-Oktopus Zach Hill aufnahm.

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Label: Sub Pop

Referenzen: Velocity Girl, Black Tambourine, The Girls At Dawn, Brilliant Colors, The Vaselines, Liechtenstein

Links: Homepage, Myspace, Label

VÖ: 03.04.10

Ein Kommentar zu “Rezension: Dum Dum Girls – I Will Be”

  1. […] Gatten auf Tour sowie Krankheit und Tod ihrer Mutter, deren jugendliches Gesicht uns vom 2010er Debütalbum der Dum Dum Girls, „I Will Be“, bekannt […]

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