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Festivals, die Vierte: Das Bootboohook!

Festivals, die Vierte: Das Bootboohook!

Eine einsam in der Landschaft verrottende Expobrache, ein nicht minder leerstehendes gigantomanisches Wohncenter im typisch unansehnlichen Baustil der 70er, drei Heizkraftwerksschornsteine als Wahrzeichen eines ganzen Stadtteils, ein in dieser Saison ganz knapp dem Abstieg in Liga 2 entgehender, ziemlich profilloser Fußballclub – Hannover hat es nicht leicht, seinem Ruf als Stadt mit dem gewissen Nichts zu entkommen. In jedem der acht Buchstaben des zum Synonym für Mittelmäßigkeit verkommenen Namens scheint sie sich zu manifestieren, die graue Tristesse und norddeutsche Provinzialität, die ein jeder mit dieser Stadt zu verbinden scheint.

Auf den ersten Blick umso erstaunlicher kommt es einem da vor, dass sich die Damen und Herren vom Tapete-Label vor zwei Jahren ausgerechnet das recht attraktiv am Flussufer gelegene Faust-Gelände aussuchten, um die deutsche Indieszene mit dem Bootboohook um ein Festival mehr und Hannovers spärliche Subkultur zumindest einmal im Jahr um ein gutes Fünkchen Glamour aufzuwerten. Noch erstaunlicher ist es aber, dass es ihnen dabei in diesem Jahr gelungen ist, am 20. und 21. August für gerade einmal 40€ mit einem international hochkarätigen Line-Up aufzuwarten, welches auch den selbsternannten Metropolenbewohnern dieses Landes einige neidvolle Seitenblicke entlocken dürfte. Dort wird nämlich mit den Chefnerds des Pop ausgelassen getanzt, zu Deutschlands bester Indieband aller Zeiten geschwelgt, mit schwedischen Rampensäuen in Bier geduscht, gegen furchteinflößende Noise-Nebelwände angekämpft, ungeniert der Reizüberflutung gefrönt, eine seit Ewigkeiten unbeirrbare Legende des Schrammelrocks gefeiert, und so ganz nebenbei die eine oder andere Neuerfindung in Disco bestaunt. Um das Link-Massaker komplett zu machen, hat man beim Bootboohook aber auch die Möglichkeit, in noch relativ unbekannten Bands wie The Ruby Suns oder den wunderbaren Hundreds die eine oder andere Entdeckung zu machen.

Zu diesen könnte dann vielleicht auch Hannover selbst zählen, denn besonders der Stadtteil Linden, in den das Festival so hübsch eingebettet ist, hat durchaus mehr und vor allem Schöneres zu bieten, als man sich anhand der reichlich pessimistischen Einleitung hier jetzt denken mag.


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3 Kommentare zu “Festivals, die Vierte: Das Bootboohook!”

  1. Pascal Weiß sagt:

    Ganz fein gemacht, Basti, habe mich mit Freude durchgeklickt;)

  2. steffen sagt:

    selten so aufgegoben in meiner loserstadt gefühlt ;-) schön dass linden durch wohlige klänge belebt wird und dass du drüber schreibst. auf bierduschen und neuerfindungen

  3. [...] den altbekannten Fixsternen wie Melt! und Haldern in diesem Jahr bereits zum dritten mal auch das Bootboohook zu Hannover. Hier sorgten nicht nur feine Konzerte von Hochkarätern wie The Notwist (einer ihrer [...]

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