Plattenkritiken


Rezension: Beach House – Teen Dream

Rezension: Beach House - Teen Dream

Wer die amerikanische Ostküstenstadt Baltimore nur aus der Serie “The Wire” kennt, wird sich kaum vorstellen können, dass auch das  wunderbare Dreampop-Duo von Beach House in eben jener Stadt beheimatet ist. An das postindustrielle, heruntergekommene und von Korruption durchzogene Drogenmoloch, das in der HBO-Produktion gezeichnet wird, mag man jedenfalls kaum denken, während man dem traumwandlerischen und herrlich anachronistischen Entschlackungs-Pop von Victoria Legrand und Alex Scally lauscht.

Mit minimalistisch eingesetzten, den 60er Jahren entliehenen Mitteln, wie heulenden Steel Guitars und der omnipräsent leiernden elektronischen Orgel werden hier nebelumwobene, romantisch-verklärte Szenarien einer Vergangenheit mehr hingetupft als wirklich gemalt, die so höchstwahrscheinlich niemals real existiert haben können. Dazu singt Victoria Legrand mit einer Stimme, so markant wie sehnsuchtsvoll, als habe die ewig tragische Nico Päffgen auch nur jemals einen Funken Hoffnung besessen.

Mit dem neuesten Album erreicht dieser Eskapismus nun seinen bisherigen Höhepunkt. Verliefen sich die beiden Vorgänger abseits solcher Übersongs wie “Master Of None” und “Gila” an manchen Stellen noch in allzu schläfriger Beliebigkeit, so ist Beach House mit “Teen Dream” nun ein unglaublich homogenes, auf voller Distanz überzeugendes Album gelungen, welches die berauschende Trägheit dieser Band nahezu perfekt zu kanalisieren weiß. Zwar rücken die beiden auch hier keinen My vom bewährten, leicht psychedelischen Vintage-Rotwein-Sound ab und zelebrieren, ganz im Gegenteil, sogar den Stillstand als ihr Konzept und doch scheint alles so, als wäre nun noch mal ein einfacher, aber wesentlicher Schritt nach vorne gemacht worden. Es macht wenig Sinn, einzelne Songs hervorheben zu wollen, denn erstens schreiben Beach House im Grunde eh immer wieder den gleichen und zweitens schafft es jeder einzelne auf diesem Album, den Hörer, so er sich denn darauf einlässt, in einen magischen Dämmerzustand zu versetzen. “Teen Dream” lässt einen förmlich spüren, wie an einem lauen Sommerabend die Sonne untergeht und der große, runde Vollmond seine Bahn zu ziehen beginnt, während man tiefer und tiefer in den unergründlichen Windungen seines Gehirns versinkt, bis man sich am Ende des Albums plötzlich fragt, wie die Nacht denn bloß so schnell vorübergehen konnte.

Man mag Victoria Legrand und Alex Scally vorwerfen, dass sie es sich zu einfach machen damit, immer nur einzulullen statt zu fordern, in Traumwelten zu flüchten statt den Tatsachen ins Auge zu sehen. Man könnte sie dafür hassen, dass sie einem mit ihrer verführerischen, schwermütigen Art die Zeit stehlen und am Ende doch nur ins Leere leiten. Man könnte “Teen Dream” aufgrund seiner scheinbaren Beiläufigkeit auch einfach links liegen lassen. Doch hat man sich ersteinmal eingerichtet in diesem einsamen, kleinen Haus am Meer, vergeht plötzlich Stunde um Stunde um Stunde… bis Zeit irgendwann nur noch ein unbedeutendes, kaum zu identifizierendes Wort aus einer fernen, fremden Welt zu sein scheint.

Wertung: 80

Label: Bella Union / Cooperative

Referenzen: Mazzy Star, Galaxie 500, Low, The Velvet Underground & Nico, Grizzly Bear, The XX, Savoy Grand

Links: Homepage, MySpace

VÖ: 26.02.2010


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6 Kommentare zu “Rezension: Beach House – Teen Dream”

  1. [...] doch nicht wirklich opulenter als bei dessen zur Zeit populärsten VertreterInnen Beach House nähern sich White Hinterland besonders auf der zweiten Hälfte des Albums einer von Bling und [...]

  2. [...] da war doch was. Ob Beach House, Memoryhouse oder White Hinterland, die Fälle in denen man auf diesen Seiten über eben diesen [...]

  3. [...] gerettet haben könnte. Zudem steht der Dreampop nicht zuletzt durch das Sub-Pop-Debüt von Beach House im Fokus zahlreicher Berichterstattungen, sodass auch die Urväter Galaxie 500 über plötzlichen [...]

  4. [...] MySpace, Auftouren, Tasties to the lions, Langweiliges Rezensionsgeblogge, NPR, [...]

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