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Rezension: Pawel – Pawel

Rezension: Pawel - Pawel

Es ist der Ursprung allen Lebens, sprudelt glucksend aus tiefen Quellen hervor und gilt in seiner Natürlichkeit als eines der perfektesten Produkte überhaupt: Wasser. Kaltes klares Wasser. Entsprechend sollten Mineralwasserhersteller an dieser Stelle aufmerken, denn Pawels Debütalbum ist die stimmigste musikalische Analogie, die man sich nur vorstellen kann. Aufgeräumt und kristallin und mit eben diesem seriösen Image ausgestattet, wie man es auch von einem guten, kohlefasergefilterten Wasser erwarten darf.

„Coke“ bahnt sich seinen Weg durch spritzige Hi-Hats mit einem gutmütigen Röhrengewusel, aufgeräumt und innerlich ausgeglichen, mehr auf den dumpfen Beat und den eigenen Stil konzentriert als die große Tanzrevolution auslösend. Ein immerwährend unterkühlter Track, der in seiner Art durchaus repräsentativ für das Album steht: Präzision ist hier wichtig, aber auch die Reduktion auf das Wesentliche der minimalen Digitalmusik: Beat, Synthieflächen und lose verstreute Details, die dank ihrer Platzierung gewinnbringend den Wirkungsgrad dieser Musik noch einmal erhöhen. Eine Art Kammermusik-Techno, der bewusst intim und übersichtlich gehalten wird und nicht so feingliedrig und mehrteilig daherkommt wie das überragende Werk von Pantha Du Prince.

Fast makellos erscheinen die Tracks, an denen Paul Kominek alias Pawel immer mal wieder in den letzten zehn Jahren gearbeitet hat. Als Turner hat er in der Zwischenzeit den Grenzgang zum Indietronic erprobt und war damit auf Lado und Mute durchaus erfolgreich. Sinnig ist diese Neuorientierung aber auf jeden Fall, gerade jetzt nach der Öffnung des Indie-Mainstream für Künstler wie Efdemin, The Field oder eben der angesprochene Pantha Du Prince. Die  Sequenzer blubbern mit warmem Gestus, wie man es vom Regenwetter-Klang des Hamburger Labels Dial kennt. Darüber verschwimmen die Grenzen zur Detroiter House-Fabrik, wenn wie bei „Alvin“ die Flächen der Synthies fast nostalgisch verklärend hervor stieben. Die Arrangements bleiben dabei immer in ihrer Struktur sofort erkennbar und sind vielleicht ein wenig zu überraschungsarm über die volle Distanz. Es ist dabei ein gutmütiger Instrumentalklang der überwiegt und die Einschränkungen auf Seiten des Settings etwas mildert, das jedoch seinerseits mit einer vielfältigen Ausrichtung überzeugt. Ein eher funktional gedeichselter Track wie „Muscles“ ist beispielsweise die Antithese zur eher irisierenden Tiefe eines Songs wie „Kramnik“, der gebrochen und subtil Hochtöne und bauchige Bässe gleichermaßen zu einem distanzierenden Bild formt, dem der Hörer als Rezipient mit einer gewissen Entfernung beiwohnen darf. So richtig finster und erschreckend wird es jedoch nie, entsprechend ist das letzte bisschen Folgenlosigkeit nicht ausgelotet, was diesem durch und durch reinen Album aber nicht zum Nachteil ausgelegt werden sollte. In seiner nackten Präsentation gibt es genug Momente, die funkeln, faszinieren oder wohlwollend einlullen.

Der Opener „Panamerican“ ist in seiner Lebendigkeit ein Paradebeispiel für einen herausragenden Titel. Gewitzt und verheißungsvoll leuchtet er voran. Mit wohlmeinenden Analogbässen, den mehrfachgefilterten Röhrensounds und all dem klirrenden und verspielten Rest macht er neugierig auf die ihm nachfolgenden Titel, die bis auf zwei Ausnahmen instrumental bleiben. Und auch bei „Dawn“ und „Wasting My Time“ sind die Vocals nur Staffage in einem Gerüst aus hellen Glockenbeats, die die Verheißungen nach Stil und Eleganz (wie es das Cover bereits andeutet) vollends erfüllen. Ein Traum in reinem Weiß, die notwendige Essenz. Wie Wasser eben.

Wertung: 75

Label: Dial

Referenzen: Efdemin, Pantha Du Prince, Lawrence, Robert Hood, Christian Naujoks, Trentemøller, Sascha Funke, Gui Boratto, Âme, Isolée, Plaid

Links: Homepage: myspace | Labelseite

VÖ: 29.01.2010

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