Plattenkritiken


Review: The Field – Yesterday & Today

field_Minimal Techno, das ist das Glück in der Monotonie. Einnistend versteckt muss man es sich erhören, suchend zwischen den immer wiederkehrenden Schlaufen und den präzisen 4/4-Beats. Es sind die Details, die es zu finden gilt, die Momente der sublimen Effekthascherei, während die Maschine ihr digitales Blut voranpumpt, das sich wie ein ruheloser Puls durch das gesamte Machwerk windet.

Der schwedische Produzent Axel Willner liebt diese Gradlinigkeit im Ausdruck, das bewusst starre Korsett, in dem es gilt, durch die richtige Skalierung der Effekte, der richtigen Platzierung von flächigen Elementen Spannung und –vor allem- Raum zu erzeugen. Er liebt die Strenge der Vierviertelschläge, die alles bestimmen und zusammenhalten. Er liebt den schummrigen Moment der Tag- und Nachtgleiche, wenn alles endet und beginnt und man mit einem neuerlichen Melancholieschub einfach weitertanzt.

Bereits mit seinem 2007er-Debüt „From Here We Go Sublime“ erreichte der Stockholmer enorme Reputation und aus dem Stand den Status eines des wichtigsten Impulsgebers der Minimal-Szene. Überdies strahlte dieses Album (zusammen mit den beiden anderen wichtigen Veröffentlichungen aus diesem Spektrum, Efdemin und Pantha Du Prince) obendrein in die Blogosphäre ab, so dass sich viele Fürsprecher fanden, die zum allerersten Mal mit dieser Art Musik in Berührung kamen. Es schien, als wäre die Welt der schnörkellosen Vierviertelschläge auf einmal auch interessant für ein breiteres Publikum.

Mit „Yesterday And Today“ verfeinert er seinen Ansatz und versteigt sich dabei noch mehr in Subtilitäten. Gleich zu Beginn präsentiert er einen flirrenden Loop, der erst nach vier Minuten in den Galopp übergeht und kaum mehr Aufregung versprüht als ein Lehrer, der vor der ersten Klasse die Konzentration bündelt und auf sich zieht. Erbarmungslos konsequent führt The Field ins Werk ein, ebenso konsequent hat die an zweite Position gesetzte Adaption des 80er Jahre-Hits „Everybodys Got To Learn Sometime“ von The Korgis den Fuß auf der Bremse. Nur latent werden Echos verschoben und Klänge geschachtelt und inszenieren so das Schwebende in der Beweglichkeit, bis das prägnante Vocal-Sample wieder die Aufmerksamkeit des Hörers einfordert. Ein Novum, waren die Tracks auf dem Debüt doch so stark zerdehnt, zerstückelt und geloopt, dass sie kaum mehr als Referenzanker dienen konnten.

Die restlichen der nur sechs Tracks (mit bis zu 15 Minuten Länge) setzen mehr auf die innere Balance zwischen wummerndem Beatgerüst und minimalem Fluss in den Texturen und unaufdringlich stehenden Loops. „Leave It“ ist dafür ein hervorragendes Beispiel, beugt sich ganz dem lockeren Schwung des netten Basslaufes, der aber konterkariert wird von kurz hintereinander positionierten Intervallen gestoppter Samples. Fast mikroskopisch ist dabei seine Arbeitsweise, mit der er Samples filtert und Übergänge verwischt. Als großer Freund von kurzen Loops entsteht zudem ein Eindruck des permanenten Kleinkleins, der aber durch die flächigen Elemente und starre Beatkonstruktion abgemildert wird.

Überhaupt ist die fast schon natürlich zu nennende Ausgeglichenheit das große Plus dieser Platte, die es selbst schafft, die abstrakte Kälte der oftmals synkopierten Beats mit modulierten Stimmfragmenten in Einklang zu bringen, wie der sehr gelungene Download-Titel „The More That I Do“ beweist.

Und dennoch hat man das Gefühl, dass bei aller produktionstechnischen Finesse der Vorgänger etwas spannender, weil fordernder war. Natürlich ist die Redundanz weiterhin das Grundprinzip und der sparsame Umgang mit Songentwicklungen gehört entsprechend dazu, dennoch hätte man sich auf diesem Album über ein paar Höhepunkte mehr gefreut – wie den fast schon grobschlächtigen Bruch im Titeltrack, dieser kulmulierten Rhythmusstörung, die eine Neupositionierung unumgänglich macht. Oder wie das Ende desselben Titels, das auf einmal den Discofunk für sich entdeckt. Man muss schon präzise hören, um sich der Modulationen gewahr zu werden. Wie sich unmerklich beim Abschlusstrack „Sequenced“ zunächst Roboterröhrenklänge, späterhin der Nachhallwirbel eines schwedischen ICEs zu Klaviersamples morphen und versöhnlich analog enden, gehört zu hohen Kunst der digitalen Musikproduktion. The Field schlägt auf „Yesterday And Today“ eben nicht nur zeitliche Brücken, sondern liefert auch ein Statement für eine Welt, in der Maschinen immer noch von Menschen gesteuert werden. Eine sehr beruhigende Tatsache.

7.0 / 10

Label: Kompakt

Spieldauer: 60:51 Min

Referenzen: Gui Boratto, Marcel Dettman, Pantha Du Prince, Ricardo Villalobos, Sascha Funke

Links: Website, myspace

VÖ: 15.05.2009


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2 Kommentare zu “Review: The Field – Yesterday & Today”

  1. [...] auf jeden Fall, gerade jetzt nach der Öffnung des Indie-Mainstream für Künstler wie Efdemin, The Field oder eben der angesprochene Pantha Du Prince. Die  Sequenzer blubbern mit warmem Gestus, wie man [...]

  2. [...] Sphärenwolke mit Wiederaufnahme des Anfangsmotivs gegenstrichige Auflockerung verpasst. Wo auf „Yesterday & Today“ das Jammen mitunter fruchtlos überstreckt wurde, wirkt das Element Mensch hier weniger gewollt, [...]

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