Yo La TengoPopular Songs

Dieses Jahr scheint ein gutes für alte Indierock-Heroen zu sein. Nachdem sich im Sommer schon Sonic Youth und Dinosaur Jr. in Bestform präsentierten, melden sich nach dem mäßig witzigen Garagenrockausflug namens Condo Fucks nun auch Yo La Tengo mit ihrem (ich habe eigenhändig nachgezählt) 13. Studioalbum zurück.

Anders aber als die beiden Erstgenannten, die mit „The Eternal“ und „Farm“ lediglich (zugegebenermaßen wieder einmal verdammt starke) Variationen des altbekannten Bandsounds ablieferten, sind die Drei aus Hoboken, die sich ja quasi eh in jedem Song neu erfinden,  auch 2009 nach rund 25 Jahren Bandgeschichte noch für die ein oder andere Überraschung gut.

Der Titel deutet es schon an, auf „Popular Songs“ geht es zwar nicht nur aber vor allem auch um Popmusik. Ein Umstand, der im wohl opulentesten und ausproduziertesten Yo La Tengo-Album bis dato mündet. Zwar scheinen bei all dem schillernden Eklektizismus doch immer noch die Velvet Underground als hellster Fixstern aus diesem über weite Strecke herrlich einlullenden Andromedanebel. Doch in Songs wie der sich vorsichtig an so etwas wie Funk heranpirschenden Orgelnummer „Periodically Triple Or Double“ oder dem das Original beinahe übertreffenden und von 60er Jahre Semi-Legende persönlich mit Streicherarrangements versehenen  Belle & Sebastian-Verschnitt „If It’s True“ beweisen Yo La Tengo, dass ihnen auch Whiteboy-Soul wunderbar zu Gesicht stehen kann.

Der Rest des Albums ist, die feucht, fröhliche Garagen-Powerpop-Exkursion „Nothing To Hide“ einmal ausgenommen, Dreampop allererster Güteklasse, der einen fast komplette 70 Minuten lang auf einer bunten Zuckerwattewolke durch eine Welt schweben lässt, die in etwa so aussieht, wie Homers Tagträume in den allerbesten Simpsons-Episoden. Und immer genau dann, wenn man droht, inmitten dieser psychedelischen Weiten vollständig abzudriften, gibt einem die Band doch noch den nötigen sanften Schubser in die richtige Richtung. Jedenfalls fast immer, ganz am Ende fällt dann schließlich der Vorhang und Yo La Tengo holen einen mit dem 15 minütigen Lärm- und Absturzszenario „And The Glitter Is Gone“ auf den Boden der Tatsachen zurück. Sie sind halt immer wieder und bestimmt auch noch für die nächsten 25 Jahre für einige Überraschungen gut, diese Drei aus Hoboken.

80

Label: Matador / Beggars / Indigo

Referenzen: The Velvet Underground, Beach House, Sonic Youth, My Bloody Valentine, Belle & Sebastian, Mazzy Star, Wilco, Galaxie 500, Gravenhurst, Guided By Voices

Links: Homepage, MySpace

VÖ: 04.09.2009

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