Plattenkritiken


Review: Dinosaur Jr. – Farm

<strong>Review:</strong> Dinosaur Jr. - Farm

Die brüchigen Mauern der Tonträgerindustrie (zumindest in der uns geläufigen Form) offenbaren einen bemitleidenswerten Anblick, der seit Jahren vorhergesagte endgültige Einsturz steht weiterhin unmittelbar bevor, zu allem Überfluss kracht die Finanzkrise in gleichmäßigen Intervallen mit aller Kraft gegen die Tore.

Die Ungewissheit der Zukunft nagt an den geplagten Nerven, kann aber nicht mal in Ansätzen als Entschuldigung für die unsinnige Fixierung auf eine bizarre, glitzernde Make-Up-Welt durchgehen, die jeden Bezug zur Realität vermissen lässt und bei dem in dieser Anhäufung nicht für möglich gehaltenen Untalent paradoxerweise das Perfekte als oberste Maxime preist. Nicht wenige versuchen sich in dieser prekären Situation in peinlich hilfloser Art und Weise an aufpoliertem Pop; perfekt abgestimmt auf die Germany´s Next-Generation schielt man auf die letzten dicken Verkaufserlöse im Musik-Biz.

Alles Themen, die einen Joseph Mascis nicht mal peripher tangieren. Mit verstaubtem Werkzeugkasten macht sich dieser unter erstaunlich rivalitätsfreier Mithilfe von Lou Barlow und Murph daran, das alte, längst als für zu marode befundene Gerüst zu stabilisieren, anstatt auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, neue Konstruktionen zu entwerfen. Ähnlich wie zwei Dekaden zuvor, als man als einer der wichtigsten Vertreter der US-Indie-Szene die Visionen von Greg Ginn und SST einen weiteren wichtigen Schritt voran brachte – und nebenbei nach langer Abstinenz die Gitarrensoli in die Independent-Kultur zurückschleuste – unterläuft der Dino das bestehende System auch heute noch mit schluffig-schlüssigem Stil, schert sich einen Dreck um irgendwelche Erwartungen und ist viel zu träge, diejenigen auszulachen, die den aktuellen Zeitgeist in „Farm“ vermissen: „I’ve been staring, I’ve been staring into space / Always tired, not a smile, such a waste.“

Die Band entgegnet der Effekthascherei des schlecht geschminkten ADHS-Front-Nachwuchses ganz nonchalant mit stylischem BMX/Skate-Video und zwölf unwiderstehlichen Hits, die die Institution Dinosaur Jr. in keinster Weise gefährden, das willkommene 2007er-Comeback „Beyond“ sogar mit spielerischer Leichtigkeit übertreffen. Während die erste Hälfte des Albums hausgemachte Qualität vorweisen kann und mit „Pieces“, „Plans“ oder dem aus Barlows Feder stammenden „Your Weather“ auftrumpft, lässt der chronisch introvertierte Mascis zu späterer Stunde mit dem verträumten „Said The People“ und dem lebhaften „I Don´t Wanna Go There“ nicht nur der Gitarre freien Lauf, sondern gibt scheinbar von jugendlichem Tatendrang angetrieben erst kurz vor der Zehn-Minuten-Marke Ruhe. Auffallend, dass die Abweichungen der Songs in puncto Länge und Tempo der Homogenität des Werks zu keiner Zeit ans Bein pinkeln können. So erweist sich „Farm“ als reifes, gleichermaßen durchdachtes und intuitives Werk, das sich auf die Stärken der Protagonisten konzentriert, gleichzeitig in wohltuenden Erinnerungen schwelgen lässt und nicht das Gesicht verliert, wenn es mit 3 dB übersteuert auf den Markt geworfen wird. Eine „kleine“ Umtauschaktion wird folgen, einhergehend mit der Gewissheit, sich in diesen Tagen doch noch den ein oder anderen Fehler leisten und so schlussendlich dem angesagten Perfektionismus listig die Zunge herausstrecken zu können. Absicht aber war in diesem Fall nicht zu unterstellen, ganz gewiss nicht…

Wertung: 83

Label: Jagjaguwar / PIAS

Referenzen: Sebadoh, Hüsker Dü, Pixies, The Replacements, Pavement, Nirvana, Sonic Youth, Feelies, Mudhoney, Minutemen, Built To Spill

Links: Official, MySpace

Vö: 19.06.2009


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2 Kommentare zu “Review: Dinosaur Jr. – Farm”

  1. Björn sagt:

    Was will ich denn bitte mit so einem ollen Klingelton als Entschädigung für den CD-Tausch Umstand? :D

  2. Pascal sagt:

    Das ist echt ulkig, wer denkt sich sowas aus?

    Ich kann übrigens jedem den Kauf der LP empfehlen. Die klingt deutlich besser als die CD und kommt als 180g-Doppel LP mit zusätzlicher 7″. Zudem gibt´s ein größeres Poster und die Songs in 320 kb/s zum Download. Und das Ganze für ungefähr 15 Euro. Was will man mehr?

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