Kursänderung gelungen: Das gegen Ende 2015 veröffentlichte „Focus“ war wirklich kein Flop, dennoch verlor die mit prominentem Bläser-Hook und beklatschtem Groove allzu stark nach „Problem“-Aufguss riechende Single in den Folgemonaten radikal an Bedeutung für Ariana Grandes drittes Album. Nicht einmal auf der umfangreicheren Deluxe-Version ist der Song mehr enthalten – zum Glück, gegen die gelungeneren Retro-Anleihen darauf wäre er deutlich abgefallen. Schien „My Everything“ noch bemüht, sich lautstark vom homogeneren Soundidyll ihres Debüts abzusetzen, suchen vor allem die Texte diesmal ihre Reife zu reflektieren. Auf „Focus“ hieß es noch „focus on me“, „Dangerous Woman“ wendet den Wortbezug aktiver („Taking control of this kind of moment/ I’m locked and loaded/ Completely focused, my mind is open“) in einem Song, der mehr einfordert als der ursprünglich als Titelstück angedachte Romantikwalzer „Moonlight“, wo Grande ein männliches Schönheitsbild aus „giving me Elvis/ with some James Dean in his eyes“ formt. „Into You“ referenziert den King in Worten vereint mit Mariah Carey („A little less conversation and/ a little more touch my body“), den sägend-beschwingten Uptempo-Refrain trägt ihre Stimme so druckvoll, wie sie sich für die entspannten Strophen aufweicht. Auch andere dancige Stücke wie das angehouste „Be Alright“ und der saftige Funk „Greedy“ geben Grandes vielseitiger Präsenz angemessene Gewichtung, anderswo balanciert „Let Me Love You“ präzise hochdimensionierten Südstaaten-Bass und Lil Wayne mit sanft-verhuschten Melodiestrichen aus. An die Hitdichte von „Yours Truly“ kommt das Album zwar nicht heran, ist aber konsistent so stark, dass auch die längere Fassung mit vier in der zweiten Hälfte eingefügten Songs nicht verödet. Vielversprechend ist hier vor allem der moderne Soul „Leave Me Lonely“ mit Macy Gray, wo Grande auch hinter einer Vokalistin eines höheren Kalibers als Iggy Azalea oder Jessie J nicht zurücksteht.

Einen Kommentar hinterlassen

Platten kaufen Links Impressum