Stabil EliteSpumante
Dass Stabil Elite nun zur fünfköpfigen Band angewachsen sind, ist mehr eine Formalität als Neuerfindung (Bassist Timo Hein brachte sein Spiel schließlich auch schon ins Debüt „Douze Pouze“ ein). Ähnlich understated vollziehen die Düsseldorfer auf ihrem zweiten Album eine stilistische Expansion: Über exakt 60 Minuten feiern Stücke wie das eröffnende „Fairlight CA“ noch die Synthesizer der Achtziger ähnlich angekrautet wie die letzten beiden Von-Spar-Alben, „4D“ atmet den Sound von Labels wie Innovative Communication und „Pool“ groovt als funkelnd gezupfte Neo-Balearik daher. Das Titelstück visiert zwar Mittelmeer-Schaumwein an, liegt aber auch dank Nikolai Szymanskis entspannten Vocals lateinamerikanischem Gegenwarts-Synthpop à la Alex Anwandter erstaunlich nahe. Steht sein zurückhaltender Gesang auf „Tief Im Westen“ weit jenseits von grönemeyerschem Pathos, wichtiger noch auf „Welt Hinter Glas“ von Max-Mutzke-Gefühlsschmalz, sind auch Stabil Elites Texte lieber skizzierend-andeutende Impression, als sich in Kommasätzen zu erklären. Das trägt dazu bei, dass „Mellow“ als erster Songtitel der zweiten Albumhälfte programmatisch wird, wenn sich zwischen simpel-gefälliger Perkussion, Basslauf und Leitmelodie zu wenig Einprägsames herausschält. Zwischendurch lebt noch einmal der Pet-Shop-Synthdance „<3" auf, welcher das utopische Instrument vordergründig belebt, meist reizen aber die Feinheiten am Rande das Ohr, wie wenn sich der helltönige Pluckerlauf in "Formula" schärfend zusammenzieht. Wo Stabil Elite zuvor ausufernd synthige Klangwelten ohne Grenzen suggerierten, sind sie mit "Spumante" kompakter geworden – aber auch adretter in der Abrundung.


