Aloa InputMars etc.
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Label:
Morr
VÖ:
06.03.2015
Referenzen:
Beck, The Dandy Warhols, Django Django, WHY?, The Notwist, Vampire Weekend
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Autor: |
| Philipp Kressmann |
Neun von acht Schrauben locker: Das haben Aloa Input aus München, die mindestens genauso samplewütig unterwegs sind wie derzeit Bilderbuch und die schon auf ihrem gelungenem Debüt 2014 viele Soundspektren miteinander vermählten. Schuld am insgesamt noch gesunden Sprung in der Schüssel könnten eventuell auch The Notwist sein, die Aloa Input im Vorprogramm bei ihrer letzten Tour verpflichteten und vor allem jetzt hörbar beeinflusst haben dürften.
Das Zweitwerk des Trios ist eine wilde Odyssee, die sich an verschiedenen Genres abarbeitet – wobei „Arbeit“ das falsche Wort ist, denn dafür klingt „Mars etc.“ zu gelöst. Es ist eher ein Road Trip einer eingespielten Band, die unterwegs alles mitnimmt, was nett aussieht und auch Spaß verspricht. Sicherlich, der Wagen ist voll, das Navi defekt, die Beine haben wenig Platz, aber doch fährt man gerne mit und komischerweise muss man sich dabei auch nicht sonderlich stark verrenken. Um als reiner Weird-Pop durchzugehen, geht es aber dann doch zu ungefährlich zu. Im Vergleich zum Vorgänger haben Aloa Input auch ein paar Gänge runtergeschaltet.
Auch in diesem Modus gelingen der Gruppe markante Melodien: Die Single „Perry“ brilliert etwa mit Loops, die von Perkussion und satten Bass unterfüttert werden. Die sanften Electropop-Konturen, die auf „Hold On“ auf härtere Gitarren als auch 3bit-Spielerei treffen, als auch der melancholische Ohrwurm „Vampire Song“ nähern sich dank sanfter Synthie-Einbettung dann ganz stark bei The Notwist an, was auch an der unaufdringlichen Stimme von Florian Kreier liegen dürfte. Sie erinnert an die von Markus Archer, teilweise auch an den tagträumerischen Gesangsstil von WHY?, die die Band selbst auch im Inspirationskatalog anführt.
Aloa Input arbeiten insgesamt aber noch deutlich gitarrenorientierter, als besagte Weilheimer es auf „Close To The Glass“ waren. „Oh Brother“ klingt mit seinen exzessiveren Sechssaiterausbrüchen und satt coolem Bass nach UK-Bands wie etwa den Dandy Warhols und auch auf dem Beck-artigen „Mad Hell“ werden die Verstärker arg beansprucht. Von Rockismus ist das aber auch in den wildesten Momenten so weit entfernt wie die Erde vom Mars. Dafür sind Aloa Input einfach zu infantil und vor allem detailverliebt. Vieles klingt nach den ebenso verspielten Bastelrock-Fans Django Django und tatsächlich haben Aloa Input viele Bausteine in der Hinterhand: beispielsweise Bläser, vereinzelte Klavierfetzen, Flöten und vor allem unzählige Looptricks.
Paradoxerweise verzettelt sich die Gruppe für dieses weite Spektrum sehr selten. Das liegt noch nicht einmal an den geschickt platzierten Dreampop- und Easy-Listening-Einschüben, die trotz Vocals fast schon Zwischenspiel-Charakter haben, sondern einfach nur daran, dass man sich bei keinem Song trotz vieler Zitate und Verzweigungen überstrapaziert fühlt. Und das ist sicher alles andere als einfach.


