Ein Debütalbum einer jungen, britischen Band, das die Presse auf der Insel hyperventilieren lässt, das kommt aller Nase lang vor. Worum handelt es sich also diesmal? Vier Kunststudenten aus Edinburgh, die sich nach dem Jazz-Gitarristen Jean „Django“ Reinhardt benennen und deren Schlagzeuger der kleine Bruder des Keyboarders der verblichenen Beta Band ist.

Eine Referenz, die die Band wohl auf immer und, so scheint’s, auch mit Recht verfolgen wird. Denn nicht nur die Intonation von Sänger Vincent Neff erinnert an die Band des großen Bruders, sondern ganze Tracks atmen den Geist der Beta Band: zum Beispiel „Zumm Zumm“ mit Strophenparts, die so nervös und monoton sind, wie der Refrain lakonisch und breit gezogen ist und das in ein finales „Ahaha“ galoppierende „Firewater“.

Was hören wir noch? Schiefe Surfgitarren, recht tiefe 80er-Stimmen, die sich an Beach-Boys-Harmonien versuchen (hierzu auch der langsame Folktrack „Hand Of Man“) und Devo-Synthie-Spielereien: ein großer Pop-Song, „Hail Bop“. Das könnte auch tighter Chillwave sein, wenn es das denn gäbe. Oder eben Devo, ein bisschen entschleunigt, aber ähnlich clever und mutig im Einsatz von Spielereien. Ein Beispielsong hierfür: „Default“ und wie dieses flirrt und hallt und stottert! „Love’s Dart“ und „Storm“ sind bereits seit 2009 bekannt, aber fallen nicht aus dem Rahmen: „Love’s Dart“ ist wie ein Strandspaziergang im Abendlicht, nur musst du rennen und stolpern, Knie aufschlagen, trotzdem weiter rennen, nur die Idee ist romantisch, der Rest durcheinander: „Love’s dart, broken apart/ If you’re walking in circles/ you find yourself back at the start.“. „Storm“ knarzt sich stoisch durch verschlungene Gesangspfade. Der entspannte Surfsong „Life’s A Beach“ ist ein Hit, das Riff stark, die Stimmung euphorisch, aber vertrackt, fatalistisch und hedonistisch in einem, wie Nachtsurfen im Regen. Nicht alles erreicht dieses Niveau und ein Stück wie „Skies Over Cairo“ ist z.B. nur ein recht nervtötendes Beiwerk, andere dagegen ein bisschen ausufernd und unentschlossen wie „Silver Rays“ und „Waveforms“.

Aber wir wollen Nachsicht walten lassen. Die Band brauchte vier Jahre für das Album, um nach eigenen Angaben erst einmal zu lernen, wie ihre Instrumente am besten aufgenommen werden. Sie sind noch jung, haben dafür aber schon viel Aufmerksamkeit. Art-irgendwas-wie-Pop wird das genannt werden, nicht nur, weil die Band aus Kunststudenten besteht, sondern auch weil sie viel von cleverer, (kunst-)bewusster Punk- und Pop-Musik gelernt hat, von großen Meistern wie Devo und der Beta Band, von Math-Rock und Elektro, von Surf und New Wave, apropos: Wie hieß noch mal dieser Hype mit so einer anderen Band, die ebenfalls so Surf-Rock machte?
… Ah, The Drums! Gibt’s die noch? Kennt die noch wer? Und nein, Django Django wird bestimmt nicht das gleiche Schicksal ereilen. Dafür ist das Album zu voll gepackt mit Hits wie Eigenheiten. Keine ganz neuen Eigenheiten, aber immerhin. Reicht das?

73

Label: Warner

Referenzen: Devo, The Beta Band, The Beach Boys, Sufjan Stevens, Bear In Heaven, Metronomy

Links: Homepage | Facebook | Soundcloud | Albumstream

VÖ: 27.04.2012

4 Kommentare zu “Django Django – Django Django”

  1. Bruno sagt:

    Ist schon ein gutes Stück besser als 73%, hätte ich davor auch nicht vermutet. Ziemlich gutes Album.

  2. dominik sagt:

    das ding ist einfach nur mörder gut. allein schon wegen „Wor“!

  3. Pascal Weiß sagt:

    Jep, da gehe ich mit, Dominik.

Einen Kommentar hinterlassen

Platten kaufen Links Impressum