Foxygen…And Star Power
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Label:
Jagjaguwar
VÖ:
10.10.2014
Referenzen:
MGMT, Hooded Fang, The Beatles, Of Montreal, Tame Impala, Avey Tare, Jacco Gardner, Marvin Gaye
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Autor: |
| Philipp Kressmann |
Man weiß nicht genau, ob es sich um Proberaum-Kauderwelsch oder Geniestreiche handelt. Foxygen sind zurück und die beiden 24-jährigen scheinen genug gesammelt und geraucht zu haben, um ihr viel gelobten Vorgängerwerk „We Are The 21st Century Ambassadors Of Peace And Magic“ noch zu überbieten, was verrückte Songentwürfe angeht. Das dritte Album „…And Star Power“ ist um einiges rauer und vertrackter als sein hippieesker Vorgänger, zudem verorten sich Foxygen mit den 24 Tracks deutlicher im frühen Soul – obwohl man vor allem viel Jamsession-Material verkauft kriegt.
Eins ist sicher: Das Gespür für raffiniert catchige Melodien ist dem Duo nicht abhanden gekommen. Auch wenn sicher nicht alles auf den über 80 Minuten Spielzeit wie die erste Singleauskopplung, das charmant bläseruntersetzte „How Can You Really“, klingt. Es dominieren wirre Schrammelmanöver, zwischen denen sich immer wieder kompositorischer Feingeist bemerkbar macht. Mal ganz ephem in „Cannibal Holocaust“, mal poppig in „Coulda Been My Love“, das mit seiner Chorbegleitung sehr soulig klingt. Fehlt nur noch das Fingerschnipsen.
Dabei sind solche Stücke nicht minder eigen und speziell als jene in chaotischer Lo-Fi-Psychedelik gehaltenen, die sowohl an die frühen Stücke von Velvet Underground erinnert als in ihren gesitteten Momenten auch Parallelen zu zeitgenössischen Musikern wie etwa Jacco Gardner oder Hooded Fang zulässt. Man bräuchte eine Landkarte, um sich in diesem Chaos zurechtzufinden. „…And Star Power“ zerrt aus Woodstock-Samplern, kokettiert mit wahrhaft schäbiger Aufnahmequalität und lebt vor allem von der Spielfreudigkeit der Band – auch wenn diese manchmal Gefahr läuft, selbst am meisten Spaß zu haben. Schwierig wird es mitunter auch, wenn pure Albernheit und „wahrhaft“ melancholische Songs zu schnell aufeinanderfolgen. Nicht nur die Arrangements, sondern auch das ganze Konzept wirkt dann dezentralisiert. In dieser Hinsicht kriegt Foxygens MGMT-Psychedelik noch eleganter die Kurve.
Manchmal wirkt die technische Bedürftigkeit nahezu aufgesetzt penetrant und enervierend. Dann wiederum gibt es Probeaufnahmen wie „Cold Winter Freedom“, eines der vielen Instrumentals, das eine Hendrix-Hommage sein könnte und das an Vitalität nicht zu überbieten ist. Die Nähe zu den 60ern ist dank vieler Synthieorgel-Einsätze natürlich weiterhin unverkennbar, ist aber in dem Getümmel ein wenig konturenschwächer ausgefallen als noch auf der letzten Scheibe. Wahnsinn und Mastermind-Momente sind hier nicht nur eng benachbart, sondern zum Teil kaum mehr voneinander zu unterscheiden. Und: Nicht nur wegen der vielen Stimmverzerrungen erinnern Foxygen dieses Mal sogar phasenweise an den akribischen Freakfolk und die energetische Eigenlogik von Avey Tare’s Slasher Flicks.
Wie beim letzten Mal endet die Platte wieder in bester Hippie-Manier. Man nehme etwa die vorletzte Nummer „Everybody Needs Love“ mit ihrem souligen Unterbau und einem E-Gitarren-Solo, das an das Pathos von Joe Cockers „With A Little Help From My Friends“ denken lässt und die ganze Welt umarmen will. Es hätte durchaus der Soundtrack für „Wunderbare Jahre“, aber auch der für „Mars Attacks“ werden können. Dass es den Multiinstrumentalisten Foxygen dabei – wie einigen Krautrock-Adaptionen hierzulande – erneut gelingt, phasenweise aus etwas Altem heraus etwas nicht kategorisierbar Neues zu erschaffen, macht diese Band so ambivalent und damit weiterhin interessant. Und das, obwohl man diese Platte unmöglich am Stück hören kann. Oder sollte man besser sagen: gerade deswegen?


