Eine schräge Ankündigung, sich als Vertreter von Frieden und Magie im 21. Jahrhundert auszugeben. Das traut man vielleicht der American Medical Association zu, aber die wollen eh nur Nazi-Zombies wiederbeleben. Das wollen Foxygen aller Wahrscheinlichkeit nach nicht. So jung und dumm sind Sam France und Jonathan Rado aus Los Angeles nicht, auch wenn ihnen psychedelische Spielfreude wie adoleszente Hybris aus den fast noch grünen Ohren sprießen, dass es oftmals eine Freude, manchmal aber auch ein ganz schönes Ding ist. Stichworte: Seltsamkeit, Funk, Hochmut.

Hohen Mutes bedarf es, den als Songs verkleideten Spielplätzen zu folgen, wenn sie ins Weltall aus Funk und Space-Rock abdriften und jammen, als gäbe es kein Morgen. Nur Gestern. Als wäre der Schatten Syd Barretts die einzige und immer Wärme spendende Sonne, die wir brauchen. Als bräuchten Vorstellungen der Dunkelheit Hintergundchöre und Applaus („In The Darkness“), als müssten sie erst erwähnen, dass hier Menschen singen, die es mögen, gemeinsam „pot in the subway“ zu rauchen, derweil die entspannte Orgelseligkeit von „No Destruction“ doch deutlich genug ist. Vielleicht haben Foxygen doch nicht ganz unrecht, wenn sie für Frieden und Magie zu sprechen vorgeben, denn wer das tut, muss sich fest in den 60ern verwurzeln.

So lange die Songs dann so stark sind wie der mit Flöte und zartem, wenn auch nicht unbedingt freundlichem Wechselgesang („I left my love in San Francisco / (That’s okay, I was bored anyway) / I left my love in a field / (That’s okay, I was born in LA)“ gespickte Sunshine-Pop von „San Francisco“: kleinstmöglicher Orchester-Folk-Pop für nichts weniger als den Frühling (und weit mehr Lucksmiths als Scott McKenzie). Oder so stark wie „Shuggie“ mitsamt seufzender Trompete, geigenumhangenen Erkenntnissen („But she doesn’t love me / that’s news to me“), tröstlichem Refrain inklusive Anleitung zur Seelenbefreiung, Funkbreak und abschließendem, wild hymnischem, händeklatschendem Singalong-Outro. Ein verrückter Old-School-Hit. Ein paar weitere Anachronismen seien erwähnt: ein Falsett-Refrain, der sich vor Prince nicht verstecken müsste (und was für ein Gniedel-Solo: „Oh Yeah“), Easy-Listening-Psychedelic zu esoterischen Spoken Words („Oh No 2“), ein Wechselspiel aus schmissiger Strophe und „Suspicious Minds“-Refrain für die Krabbelgruppe („On Blue Mountain“) und zwei derbe Psychedelic-Funk-Jams (das Instrumental „Bowling Trophies“ und der ekstatische Titeltrack). Besonders Letztgenannte stören leider den Albumfluss ein bisschen.

Neu ist nichts, albern fast alles. An den Psychedelic-Bezügen arbeiteten sich vor ein paar Jahren bereits MGMT mit mehr Willen zur Massenkompatibilität ab. Kinks brauchen keine Psychedelia. „We Are The 21st Century Ambassadors Of Peace & Magic“ enthält ein paar großartige Pop-Hits und dazu Unsinn. Modifiziert man dementsprechend die Lesart gleich der Lektüre des eingangs erwähnten Psychedelic-Quatsch-Klassikers „Illuminatus!“, dann lässt sich damit versonnen und amüsiert umgehen. Also in etwa: Tanzen (albern), Drogen (Pilze) und Spiel (immer). Das neue Sex, Drugs & Rock’n’Roll muss das zwar noch nicht sein, aber Spaß und Verwirrung sind erste Schritte in Richtung großes Album. Nun dürfen Foxygen sich nur nicht im Jam-Rock verlieren und sie könnten die neuen frühen Pink Floyd (beware of the späteren!) werden. Oder etwas Ähnliches. Auf jeden Fall: gut.

Ein Kommentar zu “Foxygen – We Are The 21st Century Ambassadors Of Peace & Magic”

  1. […] interessierten Musikhörer dürfte aufgefallen sein, dass nicht erst seit Foxygen Psychedelic- und 60s-Einflüsse in der kontemporären Popmusik Einzug halten. Vornehmlich Bands aus […]

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