Website-Icon Leben mit Musik | AUFTOUREN.DE

AUFTOUREN 2017 – Die Musikvideos des Jahres

Ein Video kann einen Hit machen. Aber sind allein die Klicks aussagekräftig? Ist das australische Pop-Enfant-Terrible Kirin J Callinan jetzt ein Superstar, weil das Video zu „Big Enough“ über sieben Millionen mal angeklickt wurde, oder ist nicht bloß ein Teil des Videos ein ephemeres Mem?

Wenn Erfolgsmetriken das einzige Kriterium für Qualität wären, dann könnten wir uns mit den meistgesehenen Youtube-Clips des Jahres begnügen und die folgende Liste eigentlich sparen. Gab es im ersten Jahr nach der Gema-Einigung noch mehr subversive, konfrontative oder schlicht spektakuläre Bildhighlights zu bewundern? Urteilt selbst:


30

 

Young Thug – Wyclef Jean

Regie: Pomp&Clout

Das Anti-Musikvideo-Musikvideo des Jahres. Wo kein Star, da kein Video … oder?


29

 

Cassius – Go Up ft Cat Power & Pharrell Williams

Regie: Alexandre Courtès

Collage mit Konzept: Alexandre Courtès führt zusammen, was nie zusammengehörte und erreicht so immer wieder neue, humorvolle Kompistionen und Interaktionen der zwei Bildhälften.


28

 

Watsky – Going Down

Regie: Nick Roney

Was als überdimensionale Körperschau beginnt, wandert wie der dazugehörige Song an einem gewissen Punkt von einer allzu beschränkten Sexualsicht ab – und bleibt dabei extrem fleischeslustig.


27

 

Bonobo – No Reason (feat. Nick Murphy)

Regie: Oscar Hudson

Nur scheinbar repetitiv ist diese technisch raffinierte Endlosfahrt: Es sind die kleinen und großen Unterschiede von Raum zu Raum, die das Ganze zur Entdeckungsreise machen.


26

 

Markul feat Oxxxymiron – Fata Morgana

Regie: Lado Kvataniya

Gleichermaßen von den Frühwerken Shin’ya Tsukamotos und Masamune Shirows beeinflusst, ist diese körnig-blutige Cyberpunk-Vision alles andere als retro – und hat dabei einen höchst eigenen Stil.


25

 

London Grammar – Non Believer

Regie: Jodeb

Das Faible fürs episch breite Flugspektakel seiner früheren Werke vereint der Kanadier mit dem psychologischen Blick seiner jüngeren. Das Ergebnis ist in mehrfacher Hinsicht dynamisch.


24

 

Lorde – Perfect Places

Regie: Grant Singer

Kaum ein Video verlieh dem Songtitel dieses Jahr so passenden Ausdruck wie dieses.


23

 


Residente – Somos Anormales / War

Regie: René Juan Pérez Joglar

Ob in der nahezu unzensierten Geburts-Nahaufnahme oder mit seinem Blick auf Kriegsleid in vermeintlich weiter Ferne: Mit gleich zwei Clips zeigte sich Residente alias René Juan Pérez Joglar dieses Jahr eindrucksvoll kompromisslos.


22

 

D.R.A.M. – Gilligan ft. A$AP Rocky & Juicy J

Regie: Nadia Lee Cohen

Die Masken und entblößten Derrieres mögen an Chris Cunninghams „Windowlicker“ erinnern, doch ist Cohens Rapvideo-Absurdität mehr als bloße Groteske.


21

 


Maggie Rogers – Dog Years / Zola Jesus – Siphon

Regie: Zia Anger

Angers Bildästhetik ist subtil und dennoch markant eigen – und funktioniert auch in der unbeirrbaren Nahaufnahme.


20

 

Gorillaz – Saturnz Barz (Spirit House) 360°

Regie: Jamie Hewlett

Vielleicht wird sich das VR-Musikvideo so fortentwickeln, dass jedes Jahr Dutzende Clips diesen hier ganz ordinär wirken lassen. Fürs erste ist der galaktische Geisterhaus-Trip aber der erste Clip, welcher das Potential der Technologie zu beeindruckendem Animations- und Immersionseffekt ausschöpft.


19

 

Jenny Hval – The Great Undressing

Regie: Marie Kristiansen

Freiheit der Nacktheit – ein so einfaches wie radikales Konzept, so kunstvoll wie unexploitativ umgesetzt.


18

 

Snails & Botnek – Waffle House

Regie: Ernest Desumbila

Wenn die dynamischen Kameraschwenks sich mit dynamisch umhersptizender Animation vereinen, wird der barbarische Food-Horror zum köstlichen Vergnügen.


17

 

Mick Jagger – England Lost

Regie: Saam Farahmand

Wie es sich anfühlt, auf einer Insel voller Leute zu wohnen, die immer noch jeden Tag lauthals den Brexit propagieren.


16

 

SOPHIE — It’s Okay To Cry

Regie: SOPHIE & Nicholas Harwood

Diese Farben!

Ein Video kann einen Hit machen. Aber sind allein die Klicks aussagekräftig? Ist das australische Pop-Enfant-Terrible Kirin J Callinan jetzt ein Superstar, weil das Video zu „Big Enough“ über sieben Millionen mal angeklickt wurde, oder ist nicht bloß ein Teil des Videos ein ephemeres Mem?

Wenn Erfolgsmetriken das einzige Kriterium für Qualität wären, dann könnten wir uns mit den meistgesehenen Youtube-Clips des Jahres begnügen und die folgende Liste eigentlich sparen. Gab es im ersten Jahr nach der Gema-Einigung noch mehr subversive, konfrontative oder schlicht spektakuläre Bildhighlights zu bewundern? Urteilt selbst:


15

 

Taylor Swift – Look What You Made Me Do

Regie: Joseph Kahn

Joseph Kahn macht keine halben Sachen. Mit ihm hat Swift das perfekte Vehikel gefunden für absurdes Spektakel wie den dutzendfachen Kampf mit der eigenen Vergangenheits-Persona.


14

 

Torres – Skim

Regie: Ashley Connor

Eine Subversion von maskulinen Rockerklischees, aber auch eine Erforschung von Machtdynamiken – und stimmungsvoll bis ins Geisterhafte.


13

 

The Blaze – Territory

Regie: The Blaze

Eine emotionale Rückkehr in die Heimat, die dennoch nicht zum schmierigen Pathos verkommt – das ist große Kunst.


12

 

Fever Ray – To The Moon And Back

Regie: Martin Falck

Wenn Lewis Carroll das gewusst hätte!


11

 

JAY-Z – The Story Of O.J.

Regie: Mark Romanek

Ähnlich wie Beyoncé ihre letzten beiden ließ ihr Ehemann sein ganzes Album von großen Namen bebildern. Ein paar der Clips überdehnten oder sprengten den Rahmen eines Musikvideos, doch andere wie Ben und Joshua Safdies „Marcy Me“ und Mark Romaneks ungewohnter Schritt ins Animierte zeigten sich dafür umso fokussierter.


10

 

SZA – Supermodel

Regie: Nabil

Mit seinen Werken für SZA, Kendrick Lamar und Mike WiLL Made It behauptete Nabil Elderkin sich 2017 als einer der großen Bildvisionäre – nirgends zauberhafter als hier.


9

 

Yaeji – Last Breath

Regie: Kathy Yaeji Lee

Gleichzeitig DIY-Makeup-Tutorial-video und eine hintersinnige Parodie desselben – und vor allem unbemüht coole Dauerrotation.


8

 


OrelSan – Basique / Jain – Dynabeat

Regie: Greg & Lio

Bunte, lebensfrohe CGI-Trickserei und akribisch durchgeplanter Mammut-One-Take – Lionel Hirlé and Grégory Ohrel vermögen mit beidem zu imponieren.


7

 

Every Time I Die – Map Change

Regie: Kyle Thrash

Thrash tut sein Bestes, um das Rockvideo vital und aufregend zu halten – nirgends war er damit dieses Jahr erfolgreicher als mit diesem scharf geschnittenen, pulshochtreibenden Hinterland-Porträt.


6

 

Naive New Beaters – Words Hurt

Regie: Romain Chassaing

Schummeln oder nicht schummeln? Mit dieser ersten von vielen Fragen baut Romain Chassaing über dutzende miteinander verknüpfte Videos ein höchst humorvolles, interaktives Spiel des Lebens zusammen. Dass er auch mit konventionellen Clips unterhalten kann, bewies er anderweitig.


5

 

Charli XCX – Boys

Regie: Charli XCX and Sarah McColgan

„No boys were hurt in the making of this video 💕“


4

 

Kendrick Lamar – HUMBLE.

Regie: Dave Meyers & The Little Homies

Ein neues Kendrick-Lamar-Album bedeutet auch eine Fülle an überragenden Musikvideos. Als die eine Hälfte von The Little Homies hat Lamar selbst dabei meist selbst die Finger im Spiel, so auch bei dieser Sammlung unvergesslicher Bilder.


3

 


Leningrad – Kolshik / Voyage

Regie: Ilya Naishuller

Seit seinem Debüt vor vier Jahren hat sich Naishuller auch auf der Kinoleinwand mit Sex, Gewalt und Drogen breitgemacht – seine doppelte Rückkehr zum Musikvideo wirft narrative Tricks in die trashige Exploitation, die den schwarzen Humor noch dicker unterstreichen.


2

 

Björk – Utopia

Regie: Warren Du Preez & Nick Thornton Jones

2017 brillierte die Isländerin mit einer ganzen Serie von Musikvideos, konzentriert auf knapp drei Monate. Der zauberhaften transformativen Flötenton des Albums ist im Clip von Warren Du Preez & Nick Thornton Jones am besten eingefangen, die kreative Kraft hinter jedem der dadurch stimmig verbundenen Werke ist jedoch offenkundig Björk selbst.


1

 

Dua Lipa – New Rules

Regie: Henry Scholfield

Der alleinige Blick aufs Vorschaubild mag die Möglichkeit offenlassen, dass hier wie so oft die weiblichen Körper zur Objektifizierung aufgereiht werden. Doch Dua Lipa und die anderen Protagonistinnen von Scholfields vergnügt choreographiertem und farblich bestechendem Clip sind allein füreinander da, kein Raum für toxische Maskulinität. Bald milliardenfach angeklickt und bereits mehrfach kopiert, ist das Video mehr als seine Message – es ist ein umfassender Erfolg.

Die mobile Version verlassen