Howie LeeHomeless EP
„Mù Chè Shān Chū“ hieß das Debüt des Kosmopoliten Howie Lee, das Tradition und Moderne auf aufregendste Art und Weise verquickte. Lees neue EP „Homeless“ lässt den Hörer weiter treiben, als es ihm lieb sein könnte, werden einem doch schon im beginnenden „Four Seas“ die einzelnen Versatzstücke nur so um die Ohren geknallt, dass es eine wahre Freude ist. Der gebürtige Chinese wildert aber nicht nur in seiner eigenen Kulturgeschichte, „Homeless“ ist ein nahezu panasiatisches Chaos-Feuerwerk geworden, so quirlig und laut, wie man es sich nur allzu gut auf den Straßen Pekings, Hanois oder Hong Kong vorstellen kann. Gepaart mit allerlei Kauderwelsch der modernen westlichen Welt entsteht so ein faszinierendes Amalgam der Zeit. Hoch und höher gepichtes Stimmengewirr, gesungene Passagen von papierener Resonanz, wütende Sprachsamples. Zerhacktes, Gemetzel, während „A Junkies Whispering“ gar totale Dekonstruktion. Dann das faszinierende „Muztagata“ mit seinem durchgehenden Gamelan, das die perkussiven Detonationen und Gewehrsalven mit stoischer Ruhe auszuhalten scheint. Nichts auf der EP scheint stillzustehen. Selbst im ruhigen Titeltrack fließen verlangsamte Stimmen der Altvorderen den tief liegenden Sampleflächen beständig entgegen. Die vier Meere des abgedreht bebilderten Eröffnungsstücks „Four Seas“ stehen laut Lee für die Grenzen des traditionellen Chinas – „Homeless“ lotet diese Grenzen im Globalen aus und beschreibt eine Welt im Wandel, eine Suche nach Wurzeln und eine Idee von Heimat.


