SneaksIt's A Myth
Minimal, minimaler, Sneaks. Wie weit es sich mit der Reduktion treiben lässt, erprobt Eva Moolchan auf ihrem zweiten Album „It‘s A Myth“, dessen Post-Punk-Destillat generell ohne Gitarre, oft ohne Bass und sogar ohne Beat hypnotisiert. Ebenso kompakt ist das Format ihrer zehn unhektischen Songs über 18 Minuten, wobei selbst der Einminüter „Act Out“ mehr als nur eine Skizze ist. Jede zischelnd angehaltene oder das Versmaß sprengend pressierte Silbe, jedes noch so leicht intensivere Klatschen der Snare-Drum stechen hier hervor, als wären sie mit einer Lupe betrachtet. Moolchan platziert solche Nuancen bewusst, weswegen ihr klar linierter Sound mit staubfreien Konturen keine Schludrigkeit toleriert, aber auch ihre leicht raunigen Vocals benötigt, die feinfühlig wie in „Future“ von kühler Monotonie in melodische Weichheit gleiten können, ohne gleich den ganzen Raum zu füllen. Subtil changiert die Instrumentierung des Albums nach dem ersten Drittel, wo brummige Synthnoten wie in „No My Combination“ das rhythmische Komplementär zur Drum Machine bilden und im lässigen „Hair Slick Back“ vom drahtigen Basslauf abgelöst werden. Mit beiden Konfigurationen entwirft Moolchan besonders eigenwillige Dynamiken: einerseits in „Devo“, wo ihre Stimme aus unerwarteten Winkeln in den Rhythmus ein- und herausfällt, andererseits bei „With A Cherry On Top“, das sprunghaftes Keyboard und brüchige Perkussion ineinander verzahnt und im Zickzack umhertitscht. Klingt nach wenig, ist aber so einiges.


