GoldfrappSilver Eye
Strahlende Chrompolitur, pastorale Nebel, utopische Synths, knackiger Stampfbeat: Auf den ersten Blick ist „Silver Eye“ eine Synthese von Goldfrapps eigener Diskographie. Tatsächlich aber öffnet sich das Duo darauf, mehr noch als bei „Head First“ und „Seventh Tree“, für die Zusammenarbeit mit Außenstehenden in Produktion und auch erstmals Songwriting. Die Kollaborationen mit Bass-Schattierungs-Spezialist The Haxan Cloak und John Congleton, dessen Handschrift der dumpfe Klacker-Beat unter Alison Goldfrapps pittoresken Hauchern in „Beast That Never Was“ trägt, lassen sich aber nur im Detail von einer gänzlichen Goldfrapp-Eigenmarke unterscheiden – die Erwartung einer großen Soundoffenbarung wäre hier fehl am Platz. Dafür sind vor allem die knapp formulierten Texten auf übergreifende Motive fokussiert: Elementare Magieströme, die himmlischen Gestirnen („Moon In Your Mouth“, „Systemagic“) und irdischen Gewässern („Ocean“, „Zodiac Black“) innewohnen, werden in diesen Songs zu Katalysatoren menschlichen Verlangens („If there’s magic in the water/ I have found you“) und Veränderung. Nach manch zäherem Stück in der ersten Hälfte fügt sich der Schlusslauf des Albums besonders zauberhaft zusammen, wo das schimmernde „Everything Is Never Enough“ und das bissig verknarzte „Ocean“ gleichsam wenig optimistisch nach vorne schauen. Im Finale wirkt es dann doch noch so, als würden Goldfrapp zu gänzlich ungehörten, wenngleich desolaten Ufern aufbrechen.


