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Efterklang & Karsten Fundal – Leaves – The Colour Of Falling

Auf der Suche nach neuen kreativen Quellen und Inspirationen machen sich Gruppen aus der populären Musik auch gerne mal die E-Musik zu eigen. Grenzen verschwimmen schon lange und eröffnen ein buntes Potpourri an Möglichkeiten. Wie wäre es, sich einer manchen Leuten verstaubt erscheinenden Gattung anzunehmen: der Oper?

Die Traditionslinie dieses Gesangstheaters reicht Jahrhunderte zurück und kommt doch immer wieder in der Gegenwart an. Die Technofrickler Brandt Brauer Frick haben mit „Gianni“ erst dieses Jahr eine Oper aufgeführt; die britische Produzentin Emika nahm letztes Jahr eine Symphonie für Orchester und Gesang auf; und die avantgardistischen AltmeisterInnen The Knife veröffentlichten schon 2010 mit „Tomorrow, In A Year“ eine Oper.

Kaum überraschend reihen sich hier nun auch Efterklang ein. „Leaves – The Colour Of Falling“ ist die erste Veröffentlichung nach ihrer 2014 angekündigten Pause, in der sie ihre künstlerische Arbeit reflektieren und ihr Schaffen neu definieren wollten. Schon 2015 in Dänemark ausverkauft aufgeführt, lässt sich nun auch nachträglich in das Klanguniversum dieser Oper eintauchen, die in Kollaboration mit dem Komponisten Karsten Fundal entstand. So viel sei schon gesagt: Hörgewohnheiten müssen dafür verworfen werden. Aber wer sagt auch, dass solch eine epische Gattung harmonisch verläuft und leicht zu verstehen ist?

Was Efterklang und Fundal geschaffen haben, erscheint wie ein Experiment, das man beim ersten Hören nicht einordnen und verstehen kann. Der Mix aus Rhythmus und klassischer Oper, mit unverkennbaren Nuancen Efterklangs („City Of Glass“ oder „The Colour Not Of Love“), beweist eine große musikalische Leistung, die aber vielfach sehr disharmonisch und wirr erscheint – Ohrwurmcharakter wie bei Bizets „Carmen“ sucht man vergeblich. Gerade das totale Einlassen auf die Musik, das Suchen und Finden von Melodien und Strukturen, macht dieses Werk aber so spannend.

Auf dem Album wirken insgesamt fünf verschiedene Sänger und Sängerinnen mit. Je nach Song sind die Stimmen von Bass, Countertenor, Sopran oder Clausens eigenem Gesang unterschiedlich in Szene gesetzt und behandeln auf ihre eigene Weise das Thema von Verlust und Tod, was sich metaphorisch auch direkt im Titel ausdrückt. „We wanted to create an opera for the mood you’re put in when you on a beautiful autumn day see how a brown leaf falls from a tree in the garden – the beautiful swaying fall signifying that everything will perish.” Ein klassisches Vanitas-Thema, das nicht wirklich aufhorchen lässt. Hingegen findet sich das Herz dieser Schöpfung in der Musik.

Es liegt an den Hörenden, sich dafür selbst zu öffnen, um ein Verständnis für diese Oper aufzubringen. Über die Dissonanzen und Lautstärkenunterschiede hinwegzusehen („Imagery Of Perfection“), sprichwörtlich dröhnende Abgründe zu überwinden („Abyss“) und bei chaotischen Zuständen nicht die Ohren zu verschließen („Eye Of Growth“). Immerhin handelt es sind hier um eine Oper, mit der man sich beschäftigen muss. Denjenigen, die das nicht können oder keine Muße dazu haben, sei ans Herz gelegt, einen Bogen um „Leaves – The Colour Of Falling“ zu machen. Doch wer nach einer knappen Stunde dann doch das Ende erreicht und sich auf diese musikalische Konzeptkunst eingelassen hat, findet ein modernes Stück Oper. Und dass die Dänen von sich behaupten können, solch ein Werk je geschrieben zu haben – das sollten alle würdigen.

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