Helen MoneyBecome Zero

Es ist nicht leicht, angesichts eines persönlichen Verlusts passende Worte jenseits von Formelhaftigkeit zu finden, noch schwieriger kann es gänzlich nonverbal sein. Alison Chesley nutzt auf imposante und berührende Weise das Beben ihres elektrisch verstärkten Violoncellos, um solch einer fundamentalen persönlichen Erschütterung umfassenden Ausdruck zu verleihen. Die Arbeit an “Become Zero” begann sie im Anschluss an den plötzlichen Tod ihrer Mutter und das langsame Dahinscheiden ihres Vaters in den Folgemonaten, unvermeidlich war das Einwirken dieser Ereignisse auf ihre Musik. Diese aber nicht eintönige Schwermut, sondern erstreckt sich von innehaltenden Momenten über viszerale Ausbrüche bis zur liebevollen Hommage an ihre Eltern. Eine solche ist die Entwicklung von „Radiate“, dessen raues Sägen sich nach zwei Minuten lichtet und eine endlos weiche Ambient-Reise durchs Weltall imitiert, wohin auch Chesleys Vater in seiner Arbeit für die NASA mehrere Raumfahrzeuge entsendete. Die Drones und melodischen Bogenzüge im finalen „Facing The Sun“ signalisieren einen ungewissen Abschied, im Titelstück hingegen wiegelt Chesley zu Schlagzeug und monoton behämmerten Pianotasten einen metallischen Doom-Wirbel auf. Nachdem das in Steve Albinis Studio aufgenommene Vorgängerwerk schon von wütenden Trommelwellen untermauert war, formt „Become Zero“ einen weniger trockenen, vielmehr komplexen und differenzierteren Sound mit digitalen Elementen aus. Dabei mischt “Machine” zwar Pizzicato-Zupfen mit verflüssigendem Glitch, öfter ist die Erweiterung analoger Klänge aber eine noch subtilere Verfeinerung, wie wenn „Leviathan“ druckvoll elektrisierte Riffs in mehrschichtige Tremolo-Sequenzen webt. An solchen Punkten ist das Cello kaum noch von einer E-Gitarre unterscheidbar.

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