True WidowAVVOLGERE

Im Rahmen ihrer „Circumambulation“-Tour hatte ich 2014 das Vergnügen, True Widow in Bochum live erleben zu dürfen. Die Zahl der Besucher hielt sich in Grenzen, aber das Trio aus Texas schien dieser Umstand wenig zu scheren. Vielmehr scherzte Sänger und Gitarrist Dan Phillips: Sie hätten erfahren, dass sie die einzige Band des Abends seien und ob es denn OK wäre, wenn sie einfach ein wenig länger spielen würden. Die Anwesenden dankten es ihnen und ich hatte nach dem Konzert noch die Gelegenheit, mich am Seiteneingang bei einer Zigarette ein wenig mit Phillips, Nicole Estill (Bass, Gesang) und Timothy Starks aka Slim TX (Schlagzeug, Piano) über das Touren und deutsche Hinterhöfe bei Nacht zu unterhalten. Dabei erwiesen sie sich als ebenso unkompliziert, wie ihr Vortrag und zudem als neugierige Zuhörer: „Wo sind wir hier?“ „Ach, in Bochum.“ „Ruhrgebiet.“ „Ballungszentrum …“, gefolgt von einem ungläubigen „Wow“.

Neben der unaufgeregten Performance ist aber noch etwas in Erinnerung geblieben: die Lautstärke. Zum einen, weil der Bahnhof Langendreer, wo sie spielten, ein Phonmessgerät in der Mitte des Zuhörerraums montiert hat. Dieses verharrte konstant im dreistelligen Bereich, wodurch sich die Offiziellen gelegentlich genötigt sahen, der Band Zeichen zu geben. Zum anderen war diese Lautstärke physisch zwar sehr präsent, der Sound wegen der guten Anlage und des fähigen Mischers aber immer angenehm differenziert. Dieser Eindruck wurde mir später von den Bandmitgliedern bestätigt, die mit dem Sound ebenfalls sehr zufrieden waren.

Was nun „AVVOLGERE“, das vierte Album der Band angeht, ließe sich im Grunde die Rezension zu „Circumambulation“ in weiten Passagen zitieren. True Widow bleiben ihrem Markensound aus Stoner, Minimalismus, Shoegaze und Doom treu: Slim TX treibt stoisch voran und Estill und Phillips entlocken ihren Instrumenten nicht eine Note zu viel. Repetition ist der Schlüssel zur Transzendenz – dennoch hat sich einiges geändert. Der Gesangsanteil von Estill ist merklich erhöht und teilweise singen sie und Phillips zusammen. Der wiederum hat ebenfalls an seinem Vortrag gefeilt und offeriert neue Nuancen, auch auf die Gefahr hin, möglicherweise zu scheitern. Dies ist allerdings nicht der Fall, alles fügt sich schmuck zu einem Ganzen. Betrachtet man dann noch die Tatsache, dass die meisten Stücke diesmal unterhalb der Fünf-, oft sogar unterhalb der Vier-Minuten-Marke verbleiben, wird es noch einmal deutlich: True Widow haben sich merklich mehr auf das Songwriting fokussiert – und das ist ihnen mehr als gelungen.

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