Man kann es gar nicht oft genug sagen: 2013 ist ein verdammt gutes Jahr für (Post-)Metal, eine gute bis herausragende Veröffentlichung jagt die nächste. Und das Beste daran ist, dass die Bands die Grenzen verschieben, als wäre Metal schon immer eines der innovationsfreudigsten und progressivsten Genres gewesen. Dabei sah es doch jahrelang eher umgekehrt aus im Land der Matten und Kutten. 2013 sind die Matten oft ab, aber nicht aus irgendeinem Zeitgeistimpuls wie seinerzeit bei Metallica, sondern weil derartige Authentizitätsmerkmale großteils redundant geworden sind.

True Widow, ein Trio aus Dallas, veröffentlicht seinen dritten Langspieler „Circumambulation“ beim vor allem für seine Lizensierungen von Importen auf dem amerikanischen Markt renommierten Label Relapse. Betrachtet man das Coverartwork und die kryptischen Songtitel („S:H:S“ oder „HW:R“), so scheint es tatsächlich, als sei das Label auch die einzige Verknüpfung von True Widow mit dem Metalkosmos. Das täuscht aber, denn True Widow haben bei den frühen Melvins genauso hingehört wie bei staubtrockenem Stoner Rock oder Slow-Core-Helden wie Codeine und Low. So wundert es nicht, dass sie die Schwere der Melvins (ohne breite Beine) mit einem ausgeprägten Notenverweigerungsminimalismus paaren, wobei die Soundästhetik tatsächlich manchmal sogar wie Doom spielende The xx wirkt. Die Gesangsaufgaben teilen sich Nicole Estill, die auch Bass spielt, und Dan Phillips, der auch die Gitarre und andere Klangerzeuger bedient. Beide klingen oft, als würden ihre Instrumente nur über zwei beziehungsweise drei Seiten verfügen, ihr Spiel ist ausgeprägt repetitiv und erzeugt dabei einen dunkel faszinierenden, meditativen Sog, den Timothy Starks schleppende Schlagzeugrhythmik stoisch wie der trockene Wüstenwind den Steppenroller vorantreibt.

Die Band nennt ihren Stil bezeichnenderweise gerne auch „Stonegaze“. Dieser Selbsterklärung ist tatsächlich nicht viel hinzuzufügen, außer vielleicht der Anmerkung, dass sich „Circumambulation“ wie ein klassischer Grower erst nach mehreren Durchgängen offenbart und dass eine erhöhte Lautstärke ebenfalls eine nicht zu unterschätzende Hilfe darstellt. Bei Temperaturen von über 30° könnte man sich auf dem heimischen Balkon auch entspannt, aber verschwitzt in einem Schaukelstuhl sitzend – gepflegter Whiskey in der rechten – auf einer leicht heruntergekommene Veranda imaginieren.

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