JaKönigJaEmanzipation Im Wald
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Label:
Buback
VÖ:
29.07.2016
Referenzen:
Burt Bacharach, Blumfeld, Britta, Phantom/Ghost, Ada, Erdmöbel, Maike Rosa Vogel, Van Dyke Parks
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Autor: |
| Carl Ackfeld |
Nach acht langen Jahren ist ein Nachfolger für „Die Seilschaft Der Verflixten“ gefunden. Acht Jahre, in denen Ebba und Jakobus Durstewitz ihre Spielwiese JaKönigJa zugunsten anderer Aufgaben verlassen haben. „Emanzipation Im Wald“ ist eine nahezu gänzlich unelektronische Inkarnation ihres bisherigen Schaffens und bändelt nach den urbanen Märchen der Vorgänger deutlicher mit einer idyllischen Romantik allgegenwärtiger Natur an.
JaKönigJa haben sich auf ihrer Suche nach einem neuen Klang für ihre Stücke nicht im Speziellen raus aufs Land gewagt. Vielmehr geschah das eher während der Beschäftigung mit neuen Themen, die ihnen das städtische Leben in Hamburg tagtäglich bescherte. Gentrifizierung, die vage Wahrnehmung eines ruralen Idylls oder Befindlichkeiten jenseits des eigenen Ichs: Herr und Frau Durstewitz lassen kaum ein Thema aus, doch werden sie dabei so erfrischend unkonkret wie eben möglich.
„Woher kommst Du?“, heißt es untermalt von barocken Bläsergemälden, die einem Van Dyke Parks zur Ehre gereichen würden, und dann weiter „und was bist du eigentlich?“. Fragen, die zwar der Prechtschen Philosophie der Vielen zur Seite stehen und das Existenzielle andeuten, doch hier eigentlich eher ein gemütliches Aufeinanderzu darstellen – schließlich sucht Ebba viele -ung(en), die dem Du und Ich dienen. Ohnehin klingt „Emanzipation Im Wald“ erfreulich zugänglich, selbst das mit feinen Klavierarabesken verzierte „Polar“ verzückt durch sehnsüchtelnde Melodik und sanfte Erzählweise. Mit „… unter den Stratosphärenwolken“ lässt Jakobus hier dann auch zum ersten Mal seine Stimme ertönen und erschafft harmonische Petitessen, die sich wohlig an die ausgebreitete Melodielandschaft schmiegen.
JaKönigJa haben seit jeher einen eigenen Sprachduktus und leben diesen auf jedem ihrer Alben themenbasierend aus. Dieses Mal bedienen sie sich sanfter Metaphorik und leben diese Achtsamkeit nicht nur im schlicht-schönen „Zuflucht In Pflanzen“ oder im trockenen „Die Zukunft Gehört Dem Pferd“ aus. Glanzpunkt ist hier sicherlich der Mondlicht-Bossanova im Titelstück mit seiner duftenden Naturlyrik. Welche Sängerin erbricht schließlich schon Heidekraut, sammelt Sauerklee und pflanzt Quittenkerne? Nicht von Ungefähr erinnert der Chor im Hintergrund entfernt an den Blumfeldschen „Apfelmann“, dessen zugehöriges Album „Verbotene Früchte“ thematisch gar nicht ganz so weit entfernt scheint.
„Emanzipation Im Wald“ ist ein ungemein organisches Album, was vor allem deshalb sonderbar erscheint, da sich für Mix und Produktion die wunderbare Ada verantwortlich zeichnet. Die cineastischen Momente wie im vorzüglichen Instrumental „Bitte Sagen Sie Jetzt Nichts?“ sind sicherlich der Urheberschaft des dritten Vollwertmitglieds Marco Dreckkötter anzudichten, lassen JaKönigJa doch hier Bilder vorbeiziehen, die vor allem am Ende ähnliche Gefühle wie „Star Guitar“ von The Chemical Brothers zu evozieren scheinen. Auffällige Streicher, die in Kombination mit den immer wieder erfreulich überraschend auftretenden Blasinstrumenten ein elegantes Klangbild erschaffen, leiten zu einem kurzen perkussiven Aufbegehren ein, doch schon bei den folgenden „Wenn Ich Mir Sicher Wäre“ agieren JaKönigJa wieder deutlich reduzierter. Manchmal kommt Ebba dabei fast ein wenig schelminnenhaft um die Ecke, besonders wenn sie in der textlich wie musikalisch angeschrägten Folkminiatur „Spukhafte Fernwirkung“ wieder mal Beziehungssituationen auf den Prüfstand zu setzen scheint und Wirkung und Realität miteinander vergleicht: „Der Gedanke an Dich ist schneller als Licht/ er ist schon immer vor mir da“.
Ein hinreißend von zärtlicher und lakonischer Komik durchzogener Sommerwind mit Reminiszenzen an den wohltemperierten Pop der 60er-Jahre – JaKönigJa haben mit „Emanzipation Im Wald“ ein absolutes Kleinod deutschsprachiger Musik dahingezaubert.


