A Giant DogPile
Das Garagepunk-Album des Sommers – auf Merge Records? Nicht gerade naheliegend, auch wenn neuerdings Titus Andronicus das eher altersgemütliche Traditions-Indie-Label ihr Zuhause nennen, doch A Giant Dog waren mit ihren ersten beiden Alben ja noch bei der Südstaaten-Schrammel-Institution Tic Tac Totally! beheimatet. Eine deutliche Steigerung zu diesen ist dem texanischen Quintett mit „Pile“ gelungen, das mehr als nur konsistent ist, sondern mit jedem Stück stärker in seinen verlustierten Kreis zieht. Das Fundament dafür bildet eine bemerkenswert anspruchsvolle Songkonstruktion, die spätestens im untypisch dämmerigen „Jizzney“ offensichtlich wird und nicht unbedingt einer druckvollen Aufführung bedarf – damit bereitet sie aber umso mehr Vergnügen. In der fein verdreckten Produktion, die auch mal Streicher und Bläser stimmig in das gehaltvolle Wogen einflechtet, muss Orville Neeleys Schlagspiel nicht erst aufgebauscht werden, um zusammen mit dem ausgeprägten Bass Graham Lows als rollender, spurtender Antrieb zu brillieren oder sich für den Piano-Kneipenrock von „King Queen“ bedeckt zu halten. Voll Gusto steht diesem Sabrina Ellis‘ Stimme, nahezu konstant vereint mit der von Gitarrist Andrew Cashen, als eine gleichermaßen zu Hedonismus und Sentimentalität befähigte Speerspitze voran, die selbst eine vermeintliche Albernheit wie „Too Much Makeup“s „Oh My Darling Clementine“-Anlehnung vitalisiert. In der Tat ist der Song eine trotzige Reaktion auf den Krebstod von Ellis‘ Vater, doch nur selten kehrt ein Stück seinen dunklen oder verwundbaren Kern so nach außen wie das akustische Britt-Daniel-Duett „Get With You And Get High“. Auf „Sex & Drugs“ folgt ein Stück namens „& Rock & Roll“, „I’ll Come Crashing Down“ und „Sleep When I’m Dead“ konfrontieren Erschöpfung mit einer mitreißenden Überlebenslust in grandiosen Melodien – und bringen Glam und Gloria in jede noch so verpiefte Spelunke.


