EagullsUllages
Was kam für Eagulls wohl zuerst – die stilistische Hinwendung zum kommerziell erfolgreichen Mittachtziger-Cure/Bunnymen-Sound oder die Erkenntnis, dass Sänger George Mitchell mit seiner wehleidigen Stimmfärbung bei Robert-Smith-Soundalike-Wettbewerben immer respektabel abschnitt? Es ist schon ein bemerkenswerter Schritt für die Engländer, die 2013 mit großer Klappe und Presse-Echo andere Bands der unauthentischen Poserei bezichtigten, mit ihrem zweiten Album wie aus dem Sandförmchen gepresst in retromanem Klangkostüm zu erscheinen. Durchaus aber ein linearer Schritt: Schon auf ihrem Erstling ertönte der Midtempo-Punk des Quintetts mit Großhallen-Ambitionen und war entsprechend in die Weite dimensioniert, nur aggressiv auftretend und durch einen grauen Schleier verhangen. Entfernt man nun die Sounddämpfung und die Leadgitarren-Verzerrung zugunsten eines sauberen Kristallfunkelns und drosselt Tempo und Spielintensität, ist man praktisch schon bei „Euphoria“ oder „Velvet“ angekommen, die über Betrug und Drogenabhängigkeit lamentieren. Doch so viel wundbarer Pathos auch in jeder Silbe hängt, zu bewegen vermag „Ullages“ nur mäßig – sei es, weil zwischen Vocals und Gitarre meist nur eine halbgare Melodie herausspringt oder weil Mitchell auf „Psalms“ die Worte „palms“, „wrong“, „harm“, „arm“ und „yarn“ aufeinanderreimt. Vielleicht zeigt das nächste Album mehr Inspiration, als Vorschuss sei hier schon mal ein neues Anagramm zur Titelgebung vorgeschlagen: „Ale Slug“.


