Esperanza SpaldingEmily's D+Evolution
Esperanza Spalding will viel und kann fast alles. Das fünfte Album der Grammy-Gewinnerin sprüht nur so vor Ideen, ohne sich damit gewichtig zu überladen oder undurchdringbar zu werden. Im Gegenteil, selten wird man dieses Jahr noch ein solch mühelos flüssig dahingleitendes und zugleich komplexes Stück R’n’B zu hören kriegen wie „Unconditional Love“, außer ein paar Songs weiter in „Noble Nobles“ mit spacefolkigen Akustikgitarren-Zügen. Wo die Union aus Spaldings eindringlich tastender Stimme und dem empathischen Groove ihres Bassspiels hier sanft nach innen zieht, bildet sie in „Ebony And Ivy“ das Fundament, auf das sich nach elektrifiziertem Akkordschlag ein mehrstimmiges Alternieren von exaltierter Harmonie und Sprechgesang baut. Kehrt Spalding in der ersten Albumhälfte auch nach dem grandiosen Gniedelausbruch im Finale des bemerkenswert kompakten „One“ immer wieder in solche Ruhezonen zurück, lebt ihr Bass im jazzig-proggig-funkrockigen Doppel aus „Elevate Or Operate“ und „Funk The Fear“ auf. Im einen als freilaufend-antreibendes Duo mit Gitarre, im Ersteren legt sich eine trügerisch simple Gesangsharmonie über dichte Schlagzeug-Piano-Rollen. Besonders diese Stücke können beim ersten Hören fordernd wirken, der Kern von „Emily’s D+Evolution“ schält sich jedoch bald heraus, weil Spalding die Intensität auf grandioser Skala von Flut alsbald wieder in die Ebbe zieht. Um jene beiden längsten Stücke der zweiten Hälfte sind die kürzesten des ganzen Albums gesetzt, „Farewell Dolly“ davon sogar eine minimalistische Reduktion, vor allem bildet Spaldings einladende Stimme auch einen konsistenten Fokalpunkt im Sound. Nirgendwo zeigt sie deren Wärme und Kraft sowie die Wellenform dieses Albums so schön in einen Song konzentriert wie mit „Rest In Pleasure“, das aus lauter kleinen Vocal-und Instrumental-Repetitionen eine hypnotische Loop-Qualität kultiviert und im Refrain dann ein derart unwiderstehlich elegantes Stimm-Motiv, dass zunächst nicht einmal all die instrumentalen Verwebungen darunter auffallen.


