RY XDawn

Neustart mit X: Nachdem Ry Cuming unter eigenem Namen 2010 ein schmalziges Folk-Rock-Album veröffentlicht und mit Maroon 5 getourt hatte, ließ er sich einen Vollbart wachsen, schrieb seinen neuen Nom de Plume in Großbuchstaben und sattelte auch musikstilistisch auf neuere Trends um. Den Nebenprojekten The Acid und Howling folgend, badet nun der Electro-Folk seines zweiten Solo-Debütalbums in ausgesparten Klangräumen, durch die Akustikgitarre, Piano und dezente Synths mit Nachhall tippeln, aber auch sachte Beats. Das tröpfelt soweit alles sehr geschmäcklerisch edel und empfindsam dahin, doch hat Cuming an anderer Stelle am Songwriting eingespart. Ob zum Picking von „Salt“ und „Only“, im dahindröppelnden „Hold Me Love“ und dem angefeuchtet voranpochenden „Haste“ oder bei dance-affineren Stücken wie der Disco-Tapete „Haste“ und dem geistesabwesend gitarrendurchzupften „Howling“, immer folgt die Refrainmelodie dem gleichen Muster: Cuming wiederholt eine oder wenige Silben über ein bis zwei langgezogenen Noten, dann kontrastiert er diese Statik mit einer etwas dynamischer wandernden Tonfolge. Zusammen mit dem übermäßigen Kopfstimmeneinsatz wird „Sweat“ so zum eintönig unnuancierten Wehleidsgemuffel, weil es Cuming auf Dauer arg an Variation im Ausdruck mangelt. Dabei zeigt „Berlin“, der große Hit des Australiers, dass er auch anders kann, mit wankelmütigem Verve im melismatischen Falsett lässt er das Album in der Mitte für drei Minuten kurz aufleben. Allzu schnell – es ist vom titelgebenden Intro abgesehen das kürzeste Stück – ist das Prickeln wieder vorbei und „Sweat“ ergießt sich weiter als lauwarm-schaler Sekt.

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