Essaie PasDemain Est Une Autre Nuit
Nachdem Marie Davidson sich zuletzt ihren avantgardistischeren Solo-Experimenten widmete, hat sie sich wieder mit Pierre Guerineau zu Essaie Pas zusammengetan und das dritte und formschönste Album des Electro-Pop-Duos in die Nacht entlassen. Obwohl dessen frankophone Texte auch übersetzt nachzulesen sind, hört man diesen atmosphären- und konturenbewussten Wave-Entwürfen zwischen Xeon & Oaklander, Chromatics und Factory Floor ihre inneren Umtriebe schon in den instrumentalen Stücken an. Die wie ein klassischer Polanski-Film von Obsessionen getriebene Nachtwanderung („Derrière quelle porte/ dans quels bras/ m’oublies-tu?“) in „Le Port Du Masque Est De Riguieur“ inszenieren die beiden besonders eindringlich: Davidson ist bloß leises Echo hinter Guerineaus trocken-monotoner Intonation, das Gefühl einer deliriösen Verfolgungsjagd erzeugen derweil nicht nur die stechenden und in rasantem Arpeggio zirkulierenden Synths, sondern auch das überaus menschliche Hecheln hinter den motorisch treibenden Drums. Bis zum erlösenden Lichtblick-Finale steigert sich die durchdachte Intensitätsspirale des Albums in „Lights Out“ und „Facing The Music“ schlüssig auf die Acid-Techno-Spitze, wo Essaie Pas aus sinnlicher Distanz noch als dunkle Phantasmen säuseln, wenn sich der Körper ihrer Musik schon im Zuge des Kontrollverlusts ganz von selbst zu räkeln scheint.


