Nach „Maraqopa“ und „Brothers And Sisters Of The Eternal Son“ nun also „Visions Of Us On The Land“. Wieder ein Albumtitel, der so geheimnisvoll wie das Zauberreich von Oz scheint, dazu eine Stimmung, die sich nicht zwischen Traum und Wirklichkeit entscheiden will und ganz viele Rückbezüge auf den psychedelischen Folk der 60er- und 70er-Jahre – mehr Register konnten Damien Jurado und sein Mentor Richard Swift zum Abschluss ihrer bemerkenswerten Trilogie kaum ziehen.

Wenn sich die bewusstseinserweiternden Melodien der Sturm- und Drangzeit des Psychfolks in zeitgenössischen Veröffentlichungen wiederfinden, erwecken sie häufig nur den Anschein, eine „gute, alte Zeit“ hervorzukramen und dabei doch bloß an der Oberfläche zu kratzen. Damien Jurado will mehr. Mit viel Forschungs- und Entdeckungsgeist lässt er seinen namenlosen Helden über drei Alben hinweg durch ein phantastisches Land ziehen und dabei über seine Funde und Beobachtungen zu sich selbst finden. Dass er sich dabei bewusst verliert und eigentlich auch in den Schlieren und Schleifen des eigenen Bewusstseins nicht wiedergefunden werden kann, ist Mittel zum Zweck und gibt den begleitenden Songs eine nicht selten unnahbare Atmosphäre. Es spielt hierbei kaum eine Rolle, inwieweit Jurado hier auch einen Teil von sich selbst, vielleicht gar von jedem einzelnen Menschen auf dieser Welt beschreibt, doch wie er diesen Weg beschreitet, passiert mit wagemutiger Detailverliebtheit, die sich in jeder Sekunde auf „Visions Of Us On The Land“ spüren lässt.

Nicht selten erinnert das Album an das seltsame „The Nightmare Of J.B. Stanislas“ des immer noch viel zu unbekannten Nick Garrie. Ähnlich wie Garrie deckt Jurado auf seinem mittlerweile zwölften Album eine unerschöpfliche Bandbreite an opulenter Psych-Folk-Dramatik ab, selbst die weit entfernt scheinende Stimme erinnert an den englischen Musiker. Jurado greift jedoch weit häufiger zu energischen und kräftigen Schattierungen, um dem Gehalt seiner Songs mehr Ausdruck zu verleihen. Fühlbares Feedback wie im vorab vorgestellten „Exit 353“ unterstreicht die düsteren Gedanken des Erzählers, die vom Alleinsein handeln und nicht immer einfach greifbar scheinen. Überhaupt „scheint“ vieles auf diesem Album. Hintergrundchöre schweben beiläufig durch den Hintergrund („Cinco De Tomorrow“), mal weht ein Hauch Exotik durch einen latinisierten Rhythmus („Lon Bella“) oder eine zufällige Flöte durch den Raum und dann wiederum umweben zarte Echoklänge den Musiker („TAQOMA“), der trotz seiner weichen Stimmfarbe zentriert und präsent inmitten der Songs steht.

Nach und nach verschwimmen selbst hier die Grenzen und die Sehnsucht nach Harmonien und Wohlklang erstreckt sich bis ins Unermessliche. Der zarte Pop von „A.M. AM“ beschwört erneut das Alleinsein, doch dieses Mal wechselt der Blickwinkel. Aus „I“ wird „you“ und eigentlich fast ein „we“, gemeinsam allein und trotzdem zusammen. Trotz aller trüben Worte wirken die Ausführungen Jurados tröstlich und behaglich, fast möchte man sich unter die weiche Decke aus warmen Klangfarben kuscheln und gemeinsam mit ihm dick eingemummelt die Sterne des Himmels betrachten. Ist das dann schließlich das Ende dieser grenzenbefreiten, ja gar phantastischen Reise ins Innere, die irgendwann einmal mit dem Ausflug nach Maraqopa begonnen hat? „Kola“ gibt keine klare Antwort, beschwört aber schließlich noch einmal das Erinnerungsvermögen herbei, das Sich-beschäftigen-Mit, das Vergegenwärtigen-Von. Und das Im-Jetzt-Sein: „I will remember you /the way you are right now“. Endlich angekommen!

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