Damien JuradoMaraqopa

Mal ganz ehrlich, natürlich mögen wir unsere Songwriter am liebsten traurig, intim und irgendwie authentisch. Wenn uns dann aber bereits der zwanzigste Elliott-Smith-Wiedergänger mit  seinen Tagebuchgeschichten zu den ewig gleichen Akkorden auf der Akkustikgitarre langweilt, kann einem diese Innerlichkeit bisweilen ganz schön zum Hals raushängen.

Gut, dass es da noch Typen wie Damien Jurado gibt, der die zweifellos vorhandene Intimität und Traurigkeit  seiner Songs seit mittlerweile erstaunlichen fast 20 Jahren durch mal mehr, mal weniger opulente Ideen und Details auszustaffieren weiß und sich dabei aus dem breiten Repertoire der popmusikalischen Dekaden ein Stück weit (fünf Euro ins Phrasenschwein für Musikjournalisten und solche, die es gerne wären) immer wieder neu erfindet. Dieser Einfallsreichtum mündete zuletzt 2010 in Jurados bis dato bestem Album, denn „Saint Bartlett“ wirkte entgegen seines an vielen Ecken aufblitzenden Phil-Spector-Glanzes gleichzeitig wundersam reduziert und bedächtig und war trotz seiner homogenen und wehmütigen Atmosphäre immer wieder für kleine Überraschungen gut.

Und siehe da, auch der Opener aus „Maraqopa“, das psychedelische „Nothing Is The News“ ist wieder eine solche. Zunächst eher sachte und dann immer wilder und bedrückender wird hier ein Nick Drake-Song auf eine von brennenden Santana-Gitarren flankierte Geisterbahnfahrt geschickt, bis am Ende nur noch dunkler Rauch zurückbleibt. „Away From The Garden“ hingegen schafft es, einen Kinderchor so bedächtig einzusetzen, dass es eben nicht peinlich wird und man sich im Finale gar in einem zurückgelehnten und entrümpelten Flaming-Lips-Song wähnt. Tatsächlich kommt sogar Damien Jurados Stimme hier nahe an Wayne Coynes selbstzerstörerischen Weltumarmungspathos heran. Einen noch weiter „far out“ liegenden Fokus setzt „Reel To Reel“, das mit seinen quengelnden Synthiesounds zum vorsichtig schunkelndem Beat irgendwo zwischen Raumpatrouille Orion und Spukschloss changiert. Hervorzuheben ist wohl auch die Art, wie sich solche kleinen Experimente mit eher konventionellen, aber nicht minder gelungenen Songs im Wechsel arrangieren. Denn das darauffolgende „Working Titles“ ist eine 50er-Jahre-inspirierte Akustikballade mit wunderschön gesetzten Doo-Wop-Chören.

Jurado ist ein begnadeter Sammler von Stimmungen, der hier durch die vergangenen Jahrzehnte wandelt und das Ergebnis zu einem leicht patinabelegtem, elegantem Gesamtbild verdichtet, das durch die notwendigen Akzente an den richtigen Stellen seinen leicht schrulligen aber würdevollen Goldrahmen erhält. Und auch wenn „Maraqopa“ vielleicht nicht ganz mit „Saint Bartlett“ mithalten kann, sollte man seinem Schöpfer dafür dankbar sein, dass er unsere einsamen Nächte mit solch schimmernden, dunklen Songperlen versüßt. Vom weinerlichen und einfallslosen Singer/Songwritermittelmaß der meisten Kollegen ist Damien Jurado nämlich wieder einmal weit entfernt.

72

Label: Secretly Canadian

Referenzen: Elvis Perkins, Jason Molina, M.Ward, Nick Drake, Elliott Smith, Damien Rice, Andrew Bird, Sufjan Stevens

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VÖ: 24.02.2012

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