Bent ShapesWolves Of Want
Auch wenn die Playlisten dieser Streamwelt unter dem Begriff etwas anderes zu verstehen scheinen: Bent Shapes aus Boston machen Indie-Pop, im sehr ursprünglichen Sinn. Leicht daran erkennbar, dass das Quartett mit seinem zweiten Album auf Slumberland gelandet ist, ein kurzes Reinhören liefert zur Bestätigung Jangle-Gitarren und ebenso beseelt-flotten Schlagantrieb. In der erweiterten Melodik – Neuzugang Jenny Mudarris eigentlich begleitende Vocals sind oft wie in „Beton Brút“ den ganzen Song über melodisch gleichberechtigt – kommen aber schnell auch die smarten Texte von Ben Potrykus zutage, mit Absagen an neoliberalen Karrierismus („We are only human beings/ taught to want what we all want/ the chance to monetize the things we love/ reduce a passion to a job“) und Willkommenheißen des Scheiterns in „Realization Hits“. Überhaupt hat „Wolves Of Want“ mehr als einen Hauch von Diskurspop (auch wenn es das Wort im Englischen nun so gar nicht zu geben scheint), mit der Debord-Zitiererei in „USA Vs. POR“ und einer durchgängigen gesellschaftspolitischen Aufmerksamkeit hinter der gewitzten Fassade – „Self-aware, but not too cool to care“, wie „86’d In ’03“ zu Protokoll gibt. Dazwischen gibt es frustrierende Telefonbeziehungen und den Versuch, rosig verschleierte Erinnerungen an die Spätadoleszenz aufzuklaren. Wo sich schon ihre Songs mit aufgerauten Oberflächen und gebogenen Strukturen (die lange Spoken-Word-Passage in „USA Vs POR“, der fiddelig herausgezögerte finale Refrain in „What We Do Is Public“) gegen eine zu runde Form sträuben, werfen Bent Shapes nur zu gerne auch verbale Haken in scheinbar süßlicher Stimmharmonie („I can’t relax/ want to attack/ every emoting slacker/ with the business-end of fat brass tacks“) und erinnern an das von jeher vorhandene Subversivpotential des Indie-Pop.


