Odetta Hartman222
Mehr als alle anderen Instrumente, die Odetta Hartman für ihre Heimproduktionen eingespielt und zusammengeführt hat, steht das Cello auf „222“ im Fokus, und das überaus divers. Trägt es „Limoncello“ fast schon gedankenverloren gezupfelt in Dream-Folk-Gefilde, in denen das Mikrophon jedoch noch immer jeden quietschenden Slide aufnimmt, schlägt Hartman es in „Dreamcatchers“ barsch an, lässt die weit angezogenen Saiten zurückschnellen und steigert sich in wenigen Takten mit anziehendem Tempo in einen flirrend begeigten Höllenritt. Der bricht mittendrin abrupt ab, wo die beiden Songs zuvor noch über Wasserplätschern und Vogelzwitschern harmonisch ineinandergeflossen waren. Auf ein harmonisches Ende ist in ihren mitunter geisterhaften Songs, die auch musikalisch mehr Momentaufnahmen oder intensiven Eindrücken ähneln, kein Verlass. Dafür aber auf ungewöhnliche, nicht übermäßig polierte Klangkonstellationen: Mal unterfüttert sie Handperkussion und Gitarre mit elektronischer Bass-Oszillation, mal bettet sie ihr Streicherspiel in Field Recordings oder gar Gewehrfeuer-Samples zur Perkussion ein – die soulig füllenden bis nervös zerspaltenen Vocal-Arrangements tun ihr Übriges zur delikaten Stimmungszeichnung.


