The Ocean PartyLight Weight

Nein, die emsigste Band aus Melbourne sind The Ocean Party nicht, aber beinahe. Mit nur fünf Alben in drei Jahren liegt das Sextett knapp hinter King Gizzard & The Lizard Wizard, was vor allem daher rührt, dass es sich für „Light Weight“ gut doppelt so viel Zeit genommen hat wie sonst. Keine vergeudete Zeit, denn es ist ein überaus feines Gitarrenpop-Dutzend geworden, auf dem die ohnehin unverzerrten drei Gitarren noch cleaner denn je ertönen.

Anders als bei den psychedelischen Kollegen, die sich für praktisch jedes ihrer Alben ein anderes stilistisches oder inhaltliches Konzept vornehmen, liegt der Unterschied von einem Ocean-Party-Album zum nächsten eher in der graduellen Verfeinerung und Erweiterung ihres bisherigen Schaffens. Wo dies bei manch anderer Band auf das Erwachsen bestimmter Muster oder gar Rezepte hinausläuft, aus denen der radikale Ausbruch nur schwer gelingt, ist die Gefahr geringer bei einer Gruppe wie dieser, wo alle sechs Mitspielenden Songs einbringen und nicht nur in den Vocals eine Multiplizität der Stimmen bewirken.

So erwächst auch diesmal eine Variationsbreite von Song zu Song, die dem Album als Ganzem zugute kommt (wenngleich, neben einer generell größeren Ernsthaftigkeit und allmählicher Reife, den verschiedenen Perspektiven kein übergreifendes Thema erwächst). Vom spritzigen Aufspielen des trötenden Horns an jangelt „Aircon“ in vollem Schwung aus dem Echoraum von „Anything“ heraus, wo noch samtene Synth-Striche und verträumt tänzelnde Gitarren eine schwerherzige Stimme umrahmten. Auf die zarten Vocals und das warme Spiel der Tasten und Saiten im Eröffnungssong „Black Blood“ schreitet das Album über das prächtigere Titelstück bestimmt in den dick akzentbehangenen, im Vergleich zu den Vorgängern schon leicht abgründig erscheinenden Gesang von „Phone Sex“, wo dissonante Gruselsynths und ein dunkel zirkelnder Bass ein schmieriges nächtliches Großstadtpflaster skizzieren.

Ob eng verzahnte Saitenspiele, mehr flächig orientiert oder druckvoll forsch, aus seinen drei Gitarrenspielern kitzelt „Light Weight“ eine Vielfalt an Dynamiken heraus. Vor allem scheint es, als haben alle Beteiligten mit der Zeit gelernt, sich nicht ständig einbringen zu müssen: Oftmals gibt einer der Sechssaiter nur sporadische, dezente Einsprengsel von sich, die Rhythmussektion sitzt das mit sehnsüchtigen Twangschichten und My-Morning-Jacket-Echogesang durchhallte „Grow Up“ sogar ganz aus, weswegen dort die volleren Klaviertöne noch die intensivsten Anschläge sind. Die Struktur ihrer Band mag dazu führen, dass sich The Ocean Party nicht über eine leicht zu greifende Identität oder eine einzelne Vorzeigeperson vermarkten können. So lange die Musik dieses halben Dutzends Songwriter aber solch eine Güte beibehält oder noch erhöht – wen kümmert’s?

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