EsmerineLost Voices
Auch auf ihrem fünften Album sind von Esmerine keine großen Überraschungen zu erwarten, stattdessen punkten sie einmal mehr mit ihrem typisch kanadischen Post-Rock. Soll heißen: Über weite Teile bedächtig arrangierte Kammermusik trifft immer in den richtigen Augenblicken – und diesmal vermehrt – auf aufbrausende Eruptionen. Esmerine hatten immer das Pech, in der Wahrnehmung vieler hinter ihren ganz großen Labelkollegen zurückzubleiben, deren Mitglieder sie schließlich auch einmal waren oder immer noch ausmachen. Fast eine Art Zweitband also. Dass diese Bezeichnung aber zu kurz greift, zeigt sich nun von Album zu Album zu Album deutlicher. „Lost Voices“ bietet stilistisch einen Rundumschlag durch den Constellation-Katalog der letzten Jahre. Exemplarisch hierfür steht die erhabene Einleitung „The Neighbourhoods Rise“: Vor allem von Sophie Trudeaus Violine getragen, geht sie gerade noch rechtzeitig in die Vollen, nimmt dadurch einen triumphalen Verlauf und wirkt doch angenehm aus der Zeit gefallen. Esmerine nehmen nicht nur hier die für das Genre einstmals typischen und inzwischen vernachlässigten Songstrukturen gekonnt auf. Damit sorgen sie immer wieder für Aha-Effekte und nicht zuletzt für Ausbrüche aus den nach wie vor dominierenden, in sich gekehrten und fragilen Klängen.


