Totally MildDown Time
Auf ihrem Lo-Fi-Debüt „Castanet“ war Elizabeth Mitchells Stimme oft a cappella die einzige Präsenz. Für ihr zweites Album hat die Melbournerin nicht nur die Soundqualität erheblich veredelt, sondern Totally Mild auch zur vollwertigen Band geformt, die mit eleganter Langsamkeit beiden Bedeutungen des Albumtitels gerecht wird: „Down Time“ widmet sich in körperlich-geistiger Niedrigbeschäftigung emotionalen Tiefen und Beziehungsdesastern, wie wenn die süßlich-kristallene Gitarre zu Mitchells „Hang me by my head/ I’m already dead“ nur schleppend dahinkrebst. Mehr Television-Jangle hat es, wenn sich die Saitenläufe mehrere Instrumente in „Nights“ oder „Move On“ verzahnen, während Mitchell darüber den melismatischen Soul-Appeal ihrer Vocals ausdehnt. Das unerbittliche Vorwärtsschreiten der Zeit scheint innezuhalten, wenn sie sich in „The Next Day“ mit einem Schneckentempo-Lick abwechselt oder auch wenn die aufs Simpelste reduzierte Rhythmussektion in „Go Home“ komplett stoppt, doch sind diese Songs alles andere als langatmig: Nicht einmal zwei Minuten braucht „When I’m Tired“, um ein kleines Hausuntergangsszenario zu zeichnen und eine unheilvolle Doo-Wop-Harmonie unterstreicht das letzte Wort von Mitchells halb verwundertem, halb besorgtem „But in the night/ when I am tired/ I wake to find you setting my house on fire“.


