Natasha KmetoInevitable
Hypes kommen und gehen, doch nach mittlerweile vier Alben sollte klar sein, dass Natasha Kmeto nicht dem Zeitgeist folgend im Electro-Soul gelandet ist. Fiel sie 2013 mit der reduzierten Klangpalette von „Crisis“ so eher zufällig ins Umfeld anderer R’n’B-inspirierter Beat-Intimitäten wie Cooly G, 18+ oder Jessy Lanza, setzt sich „Inevitable“ davon nicht nur durch die engere Symbiose ihrer Produktion und Vocals ab. Voller und vielfältiger stellt Kmeto ihre Stimme in den Vordergrund ihres verdichteten Nachtstunden-Sounds, wobei “dicht” selbstredend nicht “impräzise” bedeuten muss. Gerade aus den graduellen Verschiebungen und Mutationen erwächst die besondere Wirkung ihres Songwritings, wie wenn sich metallene Synthwolken und Vocals im Klimax von „I Thought You Had A Boyfriend“ in den Höchstnoten treffen oder „Closer Comes My Love“ den weichen Leerraum des vorhergegangenen “Stubborn” zunächst mit Fingerschnippen und Sägezahn-Arpeggio füllt, um dann überraschend jazzig zu eskalieren. Gerade die zweite Albumhälfte bezieht explizit eigene Perspektive: Während auch im eher indie-affinen R’n’B höchst hetero geliebt wird, besingt Kmeto Lust und Liebe von Frau zu Frau, ob im verführerischen und durchhauchten „On A String“ oder im traumhaft geschmeidigen Finale „Your Girl“, dessen intimer Klangraum von sanften Harmonieschüben unterfüttert dann doch wieder ganz schön ausgespart daherkommt.


