Royal HeadacheHigh

„Royal Headache are over“, ließ Sänger Shogun vor knapp über einem Jahr verlauten. Interviews kündeten von einem Erfolg wider Willen der Band aus Sydney, die sich im Vorprogramm der Black Keys deplatziert fühlte und auch zunehmend innere Reibereien erfuhr. Ganz so traurig wie anderswo sind Grabreden bei australischen Gitarrenbands zwar nicht: Wie üblich spielten auch die Mitglieder von Royal Headache in gleichermaßen hochwertigen Seitenprojekten wie Bed Wettin‘ Bad Boys, Shogun unternahm unterdessen erste Soloauftritte mit Akustikgitarre. Doch wäre es schade um den Verlust seiner Stimme gewesen, deren soulige Vibranz in einem solcherartigen Garage-Punk-Schrammelkontext echten Seltenheitswert besitzt.

Trotz allen Willens zur Eigendemontage war aber schon der Lebensgeist ihres selbstbetitelten 2011er-Debütalbums nicht zu unterdrücken gewesen, der auf dem von Owen Penglis produzierten „High“ nun fokussierter erscheint. Gegen Ende des Albums beginnt das halbakustische „Carolina“ zwar nicht nur an The Replacements, sondern auch allmählich an Tom Petty zu erinnern, doch dann brechen Royal Headache wieder richtig los in ein hochtemperiertes Doppelfinale mit nachhaltigem Lebhaftseindruck. Das knackige „Electric Shock“ über das zwiespältige Verhältnis zum Aufputscher Kaffee, der wach, abhängig und eventuell auch grummelig macht, schafft es in bester Buzzcocks-Manier (und einem auffällig britisch affektierten Akzent) nicht einmal auf neunzig Sekunden Spieldauer.

Auf der anderen Seite des Albums eröffnet „My Own Fantasy“ mit einer selbstkritischen Introspektive, wie die Band an den Rand des Aufgebens kam: „I used to live in a world off rock’n’roll/ It was my own fantasy“, beschreibt Shogun die Unwirklichkeit des Bandlebens, die sein Handeln und Denken außerhalb der Alltagsarbeit im Call Center so vereinnahmte. „Throughout the world i travelled far and wide/ My hair was wild my social life was poor/ I thought I didn’t need you anymore“ – wo auf das langgezogene letzte Wort nun eine Entschuldigung fogen könnte, offeriert Shogun aber die Möglichkeit, dass er den Song eigentlich an seine Mitpieler gerichtet hatte.

„Take it, Larry“ adressiert er seinen Gitarristen, worauf dieser ein schnodderiges Solo flambiert und die inneren Bande der Band wiederzuerstärken scheinen. Hörbar spielt dieser Zusammenhalt auch im Refrain von „Another World“ auf, wo der Basslauf während des Gesangs aufgeregt zuckt und geradlinig zupft, wenn nur die Gitarre im Vordergrund steht. Das leicht orgelige Keyboard tritt seltener in Erscheinung: Auf dem wehmütigen „Need You“ nur im Hintergrund hörbar, plinkert es dafür im schwummerig-tänzelnden „Wouldn’t You Know“. Es bleibt ein Nebenschauplatz, denn wie auch immer es um die Zukunft der Band bestellt ist: Auf „High“ leben Royal Headache in aller Feurigkeit weiter.

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