Venera 4Eidôlon
So wenig es der Gegenwart auch an neuen wie reaktivierten alten Shoegaze-Bands mangelt, sind doch nur wenige Nachwuchs-Gruppen derart zustandsfokussiert wie Venera 4. Viele nutzen ein flächiges, in die Breite gezogenes Klangbild primär zur Intensivierung simplen Songwritings, machen Dream-Pop/-Rock mit etwas mehr Halleffekt oder werden als Amalgam verschiedener Soundausprägungen zu einer Art wandelnder Schuh-Compilation. „Eidôlon“, das Debütalbum des französischen Quartetts, versucht sein Traditionsbewusstsein gar nicht erst zu verhehlen, ist aber trotz des Eröffnungstitels „Pygmalion“ ganz im Geiste von My Bloody Valentine. Venera 4s Songs winden sich um sich selbst, ziehen beim Hören sanft nach Innen, erzeugen im geistesabwesenden Tippeltempo der Drum Machine einen Treibzustand zwischen ihren gigantischen Schichten aus phasengeshifteten Gitarrenwogen, Synth-Perlungen und ätherischen Vocal-Wolken auf allen Ebenen. Das oft unüberschaubar scheinende Sägen, Seufzen, Aufbrausen und Schellen vermag beim Hören ganz das Zeitgefühl außer Kraft zu setzen zwischen all seinen unterschiedlichen Sounddehnungen, wie dem sanften Saitenwankeln unter glitzerndem Synthfirmament im Titelstück, oder wie in „Red Blooms“ jede Silbe ihr vierfaches Echo hat. Gerade an solchen Stellen wirkt auch der Effekt des französisch akzentuierten Gesangs besonders, dessen samtige Lautformung derart über die Musik gleitet, dass man dabei nicht einmal bemerkt, ob er nun gerade überhaupt in Englisch ist.


