GACHASend Two Sunsets
So einfach kann es mit der künstlerischen Identitätsvielfalt sein: Während es Gacha Bakradze mit seinem Nachnamen in House- und Disco-Exkursionen mehr Richtung Floor zieht, frönt der Georgier unter seinem Vornamen lieber der sanften Entschleunigung. Was nicht bedeutet, dass sein Debütalbum „Send Two Sunsets“ langwierig wäre: Weit weniger als seine tatsächlichen 41 Minuten Spieldauer lang wirkt es beim Hören. Im sanften Flug zieht sein Ambientpop dahin und nutzt dabei trotzdem Beats und kompositorische Strukturen der Dancemusik, wenn beispielsweise das ohnehin softhousige „Duras“ die Anschläge seines Syntharpeggios allmählich zu Doppeltönen auseinanderzieht, bis es sich ziehharmonikaartig dehnt. „Let Me Love You“ und „Street Talk“ führen das finale Albumdrittel über Schlagzeug- und Bassfokus noch tiefer in die meditative, mit Nuancen gespickte Groovezone, während im introhaften „Abandoned City“ evokatives Gitarrenzupfen durch einen warmen Hallraum gluckert. Gänzlich öffnet sich diese gelegentlich introvertierte Musik aber über die Hälfte der Stücke, auf denen GACHA die Zusammenarbeit mit (der eigentlich für ihre Eigenproduktionen als TBA bekannten) Landsfrau Natalie Beridze von der letztjährigen „When The Watchman Saw The Light“-EP fortsetzt. Sie verleiht dem saitenpluckernd tastenden „Waterfall“ eine stimmlich umfassendere Expression, während ihre Vocal-Doppelung im leicht drückenden „Pulsing“ einen ätherischen Gegenpol setzt oder im Titelstück auf lässigen Synthwellen dem (zweifachen) Sonnenuntergang entgegensurft.


