Nadine ShahFast Food
Es hat etwas Unausweichliches, wie in einem Popsong punktgenau Intro in Strophe in Refrain übergeht, so dass das Ohr über eine strenge melodischen Logik gelenkt wird. Geradezu fatalistisch aber spielen sich die Songs auf Nadine Shahs zweitem Album ab, wie Miniaturen klassischer Tragödien gehen sie auch dann unweigerlich ihrem Ende entgegen, wenn die Britin sie nur an zwei Akkorden und einer fundamentierenden Rhythmussektion entlangführt. Sogar das vermeintlich Ersehnenswerte „fall in love“ geschieht zum spärlich-resonanten Akustikzupfen nur, weil sonst „Nothing Else To Do“ ist – das rabiatere Saitenflitschen am Songende ist mehr Frustrationsausdruck als ein Ausbruch aus dieser Einengung. Auch im Einsatz größerer Stimmreichweite vermeidet Shah die Eruption, mit (nirgends mehr als im geisterhaften „The Gin One“) postpunkiger Gitarrenschroffheit brodelt die zweite Hälfe von „Fast Food“ an den Rande des Abgrundes, um in „Big Hands“ zu kulminieren. Das ist wie schon der gesamte Albumverlauf so fein gesponnen und mit jedem Hören packender, dass Shah im Finale umso effektiver die songübergreifenden Melodiefäden kappt und die Entropie um sich greifen lässt, allein die eine um Sinn ringende Frage in den Raum stellend: „How is this living?“


