San FerminJackrabbit
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Label:
Downtown
VÖ:
24.04.2015
Referenzen:
The National, Dirty Projectors, Van Dyke Parks, Lost In The Trees, Phox
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Autor: |
| Carl Ackfeld |
Das Debüt war 2013 ein Triumph der Sinne. Ellis Ludwig-Leone und sein Bandprojekt gingen mit „San Fermin“ bis an die Grenzen des Pop und fügten so viele sonnendurchwirkte und schattenumschwärmte Facetten hinzu, dass einem schon ein wenig schwindelig werden konnte. „Jackrabbit“ fischt in den gleichen Gewässern, doch die ganz dicken Brocken wollen nicht mehr beißen.
Dabei beginnt das Zweitwerk sehr verheißungsvoll. Mit „The Woods“ erwacht Vertrautes zum Leben, die smoothe Stimme Allen Tates erinnert erneut an beste The-National-Momente und das geschmackvolle Arrangement zieht seine Inspiration hörbar aus den letzten 100 Jahren Popgeschichte. Auch das nach dem ersten Zwischenspiel „Ladies Mary“ folgende „Emily“ ertappt sich in diesen Gefilden, indem es die zuvor genannten Zutaten verwendet, dabei in einen deutlich opulenteren Zusammenhang setzt.
Jetzt waren San Fermin bereits zuvor nicht nur der barocken Pracht erlegen, Songs wie die Dirty-Projectors-Reminiszenz „Sonsick“ zeugten schließlich auch auf „San Fermin“ schon von einer erheblichen Bandbreite. „Jackrabbit“ hält diese Ausflüge ebenfalls bereit, im perkussiven und mit wuchtigen Bläsern gefüllten „Philosopher“ zum Beispiel, wo sich Sängerin Charlene Kaye als Nachfolgerin von Rae Cassidy erfolgreich gegen die rhythmischen Attacken ihrer Mitmusiker wehrt. Wirkte „San Fermin“ in dieser Hinsicht noch ein wenig zusammengewürfelt, nähern sich die Songs auf „Jackrabbit“ deutlich eher aneinander an, ohne den Reiz zu vernachlässigen, Brüche durch unerwartete Zwischenspiele zu erzeugen.
Bestes Beispiel ist das auf „Philosopher“ und das anschließend zerklüftete Intermezzo „Ecstatic Thoughts“ folgende „Woman In Red“. Klanglich schieben sich höchstens minimale Varianzen zwischen die Stücke, doch ist letztgenannter Song von deutlich kraftvollerer Strahlkraft. Streicher, die hier noch mal deutlich stärker summende Stimme und ein Bekenntnis zum elegisch-schattierten Indierock zeigen die Stärken San Fermins, aus einem prinzipiell schlichten Stück eine kleine Kostbarkeit zu schaffen. Manchmal hat es allerdings den Anschein, als verlierte Ludwig-Leone sich so ein wenig in den anspruchsvollen Kompositionen.
So zum Beispiel dann, wenn sich „Parasites“ in einen kammermusikalischen Rausch spielt und dabei viel zu viele einzelne Register zieht. Meistens fängt er sich zwar kurz darauf wieder, indem er entweder Tempo wegnimmt oder ein oder zwei Klanggeber entfernt, doch lassen sich vor allem die deutlich schwächeren Zwischensequenzen wie das sehr kurze „The Glory“ nicht wegdiskutieren. Am besten hingegen sind San Fermin immer dann, wenn sie von Anfang bis Ende einen ähnlichen Klangkosmos wählen und die Songs nicht wie eine Aneinanderreihung einzelner Stücke im Gesamtstück erscheint. „Emily“ ist solch ein Leuchtfeuer und auch das hübsch galoppierende „Jackrabbit“, das die Stimmfarbe der neuen Leadsängerin sehr akzentuiert in Szene setzt.
In Gänze betrachtet liegt allerdings die „Schwäche“ des Albums gar nicht in der Schwäche einzelner Songs. Es ist vielmehr ein Makel, das vielen Zweitwerken zuteil wird: dass der Überraschungsmoment des Debüts abhanden gekommen ist. Wenn sich allerdings diese Gewohnheitserwartung so ein wenig gelegt hat, entpuppt sich „Jackrabbit“ als angenehmes und kompositorisch durchaus anspruchsvolles Werk, das lange Spaß machen kann.


