Simon JoynerGrass, Branch & Bone
Als hätten Jeff Mangum, John Darnielle und Mark Kozelek gemeinsame Sache gemacht. Doch eigentlich wäre das Simon Joyner gegenüber unfair, denn der sehr umtriebige Singer/Songwriter aus Nebraska, Omaha veröffentlicht nun schon seit fast einem Vierteljahrhundert Album um Album von nahezu gleichbleibend hoher Qualität. Sein letztes, eher ruppiges Werk „Ghosts“ schaffte es weiland in die Geheime Beute, sein neues Album „Grass, Branch & Bone“ ist ruhiger, aber nicht minder empfehlenswert. Joyner singt mit quengelnder Stimmlage, die aber bruchfest wirkt. Mit ihr erscheinen die als Kurzgeschichten getarnten Songs eindringlich, versöhnlich, fast schon tröstlich. Die zuweilen nur angedeutete Instrumentierung leiht ihm dabei eine helfende Hand und transportiert jedes gesungene Wort direkt an den Zuhörer, zum Beispiel im kargen „Some Fathers Let The Sunset Bring Them To Their Knees“, das nicht von ungefähr wie ein windschiefes Country-Kleinod Trost und Trauer in Einklang bringt. Joyner schwört sich zudem auf die Vergangenheit ein, nennt Songs „Old Days“ oder „Nostalgia Blues“ und strahlt dabei solch eine Ruhe aus, dass selbst das unter die Haut dringende „You Got Under My Skin“ die verblassenden Erinnerungen nur sachte wieder aufflackern lässt. Joyners „Grass, Branch & Bone“ ist dabei allerdings häufig von einer gewissen Schwermut und nicht immer einfach zu ertragen, was dieses Album von den Werken der oben genannten Referenzen besonders unterscheidet. Mag man jedoch zum Beispiel das erzählerische Talent John Darnielle, oder die verblichen kratzige Tonlage Mangums oder das pointierte Gitarrenspiel von Kozelek, sollte man unbedingt ein Ohr für Simon Joyner parat haben.


