Davon, dass unter radikalem Islamismus vor allem die muslimische Bevölkerung leidet, können Songhoy Blues mehr als ein Lied singen. Die vier flohen aus ihrer westafrikanischen Heimat, als die Ansar-Dine-Miliz in Mali die Scharia ausrief – eine der ersten Verordnungen der Salafisten war das Hör- und Spielverbot von Musik. Aus Trotz, aber auch aus Liebe zur Heimat ist das mitreißende „Music In Exile“ eine höchst moderne Interpretation malischen Wüstenblues‘, die selten so ruhig beseelt wird wie zu Albumende. Die simpel-mehrstimmig kreisenden Gesangsmelodien prägen den zauberhaft entrückten, purpurn-weichen Soul von „Wayei“ ebenso wie den ruhig durchschnippsten R’n’B von „Sekou Oumarou“, doch schon dieser gerät mit Schellen und spindligen Saitenläufen lebhafter. Zur ekstatischen Hochgeschwindigkeit läuft das polyrhythmisch galoppierende „Ai Tchere Bele“ über verbale Einwürfe und den Breakdown in der zweiten Hälfte auf, während die fingergepickten Zwillingsgitarren „Irganda“ über Voranklatschen und nimmermüder Hi-Hat rasant vitalisieren und „Al Hassidi Terei“ amerikanischen Bluesrock im Uptempo-Hauptteil wie auch als schunkelnden Refrain-Gegenpol einbringt. Über kompaktem Basslauf bleibt nebenher auch Platz für die Hommage an „Nick“ – den Gitarristen der Yeah Yeah Yeahs, der im Eröffnungsstück „Soubour“ mitspielt.

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