Erase ErrataLost Weekend
Ungünstiger als in die gleiche Woche wie die alles überschattenden Sleater-Kinney hätten Erase Errata ihr erstes Album auf eigenem Label kaum legen können, doch auch diese Rückkehr ist eine mehr als gut geglückte in neuer Stärke. Öffentlich getrennt hatte sich das punkige Trio zwar nie, war es aber faktisch mit seiner geographischen Verstreuung und Auszeiten für Studium oder Familie, zwischen denen nur die 2010er-Single „Damaged“ zustande kam. So könnten bloß 7 Songs für ihr erstes Album seit 2006 zunächst weniger als erhofft sein, doch sind diese 21 Minuten Spielzeit das gebündelte Ergebnis eines Song-Aussiebens mit angepisstem Fokus. Ohne perkussionsgeladenes Dancepunk-Gehüpfe spielen Erase Erratas mehr in no-waviger Strenge auf, doch melodisch überaus nahbar, wenn sie von einem San Francisco berichten, in dem die Schere zwischen Techboom-Begünstigten und Geringverdienenden extremer denn je ist und ein Gesetz es Obdachlosen verbietet, sich auf den Bürgersteig zu setzen oder legen („Another Reason To Arrest & Imprison The ‚Free‘ “). Ihre Musik begegnet dem nicht mehr mit externalisierter Aggression und aus den Rändern berstenden Ausbrüchen, eher in verbitterter Anspannung stetiger Grooves. Mit neuer Bemessenheit sind dafür selbst die Anderthalbminüter nicht gehetzt, während ein „In Death I Suffer“ seine düsteren Visionen mit subtilen Produktionsdetails zeichnet, ohne an Mitzieh-Dynamik einzubüßen.


