Dass sich die Weilheimer Band The Notwist auf einem entlegenem Pfad zwischen zwei Parallelwelten bewegt, dem Independent Pop und dem experimentellen Ambient, wurde spätestens durch ihr letztes Album „Close To The Glass“ sichtbar. Gleichzeitig konnten The Notwist dabei zeigen, dass Gegensätze sich tatsächlich anziehen und auch miteinander harmonieren können. Ähnlich harmonisch, aber weniger divergent geht es auf „Messier Objects“ zu: Hier wird die poppige Seite der Band ausgeblendet und die sphärische Soundtrackmusik vollständig in den Vordergrund gestellt – ähnlich wie bereits im Jahre 2003 mit dem Album „Lichter“.

Die Soundtracksammlung umfasst 17 bisher unveröffentlichte Stücke für Filme, Theater- und Radiospiele, die in ihrer Struktur vor allem elektronische Züge aufweisen und sich mit verstreut eingesetzten Soundkomponenten sowie minimalistischem Charakter zwischen Ordnung und Chaos bewegen. Zugleich bedient sich „Messier Objects“ einer breiten Palette diverser Instrumente und Soundtechniken. So treffen zum Beispiel bei den ersten beiden Tracks verzerrte klassische Instrumente auf digital erzeugte Elemente und bekommen durch Sonargeräusche zusätzlich einen mechanischen Charakter verliehen.

Doch neben diesem oftmals mysteriös klingenden Soundnebel, der irgendwo zwischen Hoffnung und Melancholie wabert, überrascht die Platte an einigen Stellen mit exotisch-fröhlichen Tracks, die an klassische Filmmusik der 50er/60er Jahre-erinnern, oder aber auch durch miteinander verwobene Klangbausteine, die einer Jamsession gleichen.

Gerade wenn man glaubt, eine Art Struktur wahrzunehmen, konfrontiert der nächste Moment einen mit Desorganisation (so zum Beispiel bei den Songs „Object 7“ und „Object 10“). Ein solches Wirrwarr durchwandert nicht nur den Gehörgang, denn wenn man die Tracklist des Albums genauer betrachtet, fällt auf, dass deren scheinbar konsequente Ordnung nicht ganz eingehalten wird. In Messier’scher Manier haben The Notwist ihre Tracks durchnummeriert (der französische Astronom Charles Messier ging einst bei von ihm entdeckten Himmelskörpern so vor) – bis auf eine Ausnahme: den Track „Das Spiel Ist Aus“, der auch durch seine fast 13-minütige Spielzeit auffällt. Dieser tanzt soundtechnisch jedoch keinesfalls in besonderem Maße aus der Reihe, fügt sich adäquat in diese Soundtracksammlung ein und verleiht dem Album kurz vor Schluss nochmal eine sanfte Kantenglättung.

„Messier Objects“ ist ein sehr abwechslungsreiches und umfangreiches Instrumentalalbum, das es schafft, klassisches Instrument und elektronische Einflüsse kunstvoll miteinander zu verflechten, ohne gekünstelt zu klingen. Die durch jeden Track erzeugte Atmosphäre fasziniert dabei ebenso wie der Aufbau melodischer Spannungsbögen und steht im Zentrum eines Notwist-Werks, das man mehr als nur einmal hören will.

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