Selten lässt das letzte Albumdrittel im Vergleich zu allen vorherigen Stücken so viel stärker aufhorchen wie auf „Reality Show“. Ist das dritte Werk der Amerikanerin bis dahin eher schwelender R’n’B, dessen luxuriöse melodische Tiefe mit wiederholtem Hören zutage tritt, kommt nach einer halben Stunde „Stupid Girl“ als umso unverhoffterer Aufruhr anstolziert wie ein umkanalisiertes „Rehab“, Sullivan ganz die aus Erfahrung warnende Anführerin des Gruppengesangs „Boys have toys too/ You know they do/ They call us stupid girls“. Besonders die Formbarkeit ihrer Vocals hat sich in den letzten Jahren enorm entwickelt: Es grenzt an der Rollenverkörperung einer Stimmimitation, wie Sullivan sie im finalen „If You Dare“ in tiefer Tonlage über wenige Noten bündelt oder gen Ende des anderen Uptempo-Stücks „Stanley“ mit brodelndem Sprechsingen eine Auszeit vom Discoglam nimmt. Klar, dass sie da nach Meek Mills Gastrap auf dem eröffnenden „Dumb“ keine Features braucht, wie schon das anschließende „Mascara“ voll müheloser Wärme zeigt, in die man am liebsten langsam eintauchen würde.

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