Menace BeachRatworld

Johnny Marr ist bereits ausgewiesener Fan der Band. Dabei haben Menace Beach mit der UK-Tradition kaum etwas gemeinsam: Während viele Veröffentlichungen aus London in der jüngsten Vergangenheit eher sauber-grazilen Indiepop präsentierten, orientiert sich das Duo aus Leeds eher am klassischen US-Independent-Rock. Menace Beachs Debütalbum setzt ebenso auf brachialen Noise und glänzt geradezu mit dreckigen Gitarren-Riffs, die vom Klang her genauso grantig wie zuletzt Speedy Ortiz klingen, insgesamt aber weniger düster daherkommen.

Der Sound rumpelt verzerrt wie die frühen Pavement, erinnert an wüsten College-Rock und beste Garage-Manier, dass man begriffsgeschichtlich wieder weiß, woher die Bezeichnung stammt. Für Letzteres dürfte wohl vor allem MJ von Hookworms gesorgt haben, der nicht nur für die Produktion, sondern auch für die Gitarre verpflichtet wurde. Seine Signatur tritt in der Garage-Tendenz der schleppend-euphorischen Stücke wie „Drop Outs“ oder „Fortune Teller“ (Orgel-Tunes inklusive) deutlich zutage, die zum Teil stark an das letztjährige Hookworms-Zweitwerk erinnern.

Die wirren, elastischen und treibenden Gitarrenwirbel auf dem gerade mal 104 Sekunden langen „Lowtalkin´“ liefern wiederum eindeutige Sonic-Youth-Referenzen. Die Single „Come On Give Up“ und der raue, verstärkerverknallte Titeltrack erinnern vom schrammeligen, aber melodischen Gerüst her dann durchaus an den frühen, noch ganz ungefilterten Noisepop von Yuck. Das gilt auch für das verspielt rasante „Elastic“, das wie der Großteil des Album mit einem Zweieinhalb-Minuten-Format auskommt.

Das könnte alles als ulkige Slacker-Attitüde durchgehen, wenn sich nicht auch wesentlich dezentere Klänge in die Scheibe gemischt hätten: „Blue Eye“ verzichtet beispielsweise ganz auf Drums und ist nicht nur Verschnaufpause, sondern Musterbeleg für den engelsgleichen Gesang von Liza Violet, der sich sonst mit der Stimme von Ryan Needham kreuzt, die vor allem leicht rauschig nachgefiltert nochmal stark an Yuck erinnert. Abwechslung bietet dann der Paargesang auf den Lo-Fi-Spuren von „Pick Out The Pieces“, das schon fast an die intime Zweisamkeit der Akustikzeiten von Big Deal denken lässt.

Neben all dem Krach und Schmutz und Staub zeigen Menace Beach eben auch ein solides Gespür für Melodie, hinter der zum Teil sehr persönliche Texte stecken. Die Stilwurzeln der Band sind recht klar, doch biedern sich Menace Beach ihren Idolen nie an. Denn um als reines US-Indie-Rock-Imitat gelten zu können, wirkt „Ratworld“ einfach einen Hauch zu detailverliebt, was der Spielfreude und ungeschliffenen Produktion aber keinen Abbruch tut. Ein mehr als souveränes Debüt, das gerade wegen seiner Kanten eine runde Sache geworden ist.

Philipp Kressmann

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