DisappearsIrreal

Disappears setzen mit diesem Album – ihrem fünften in sechs Jahren – einmal mehr anderswo neue Akzente, als man es vielleicht erwarten würde. Dass ihr noisiger Zweitling „Guider“ über das Tape des dort im Hintergrund rauschenden Vorgängerwerks eingespielt war, fiel ebenso wenig auf wie die Band mit Steve Shelley am Schlagzeug deutlich mehr nach Sonic Youth klang als ohnehin schon. Shelleys Nachfolger Noah Leger wiederum gab zwar schon auf dem 2013er „Era“ seinen Einstand, wird aber erst auf „Irreal“ zum Dreh- und Angelpunkt des krautig-dronerockigen Treibens, zum dritten Mal unter Produktion John Congletons peitscht und poltert Leger mit jedem spärlichen Anschlag als kraftvoller Puls. Mit mehr Postrock-Chicago im Sound denn je beschwören Disappears dystopische Bilder mit ihren desorientierend durchwaberten Hallräumen herauf, gelegentlich vokalisiert Brian Case dazu robotisch ausdruckslos oder deutet das finale „Navigating The Void“ sogar eine vergleichsweise süße Melodie an. Besonders gelungen aber treiben geduldig-unbarmherzige Rhythmusspannung und die aggressive Unsicherheit der metallen klirrenden Gitarre „Irreal“ mehrfach in magnetisches Verstörhören, wie wenn das Titelstück eine Vorstellug des langen Sturzes in eine kilometertiefe und meterbreite Metallgrube evoziert.

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