K. MichelleAnybody Wanna Buy A Heart?
Auch im R’n’B haben sich Mixtapes als Experimentierfeld etabliert, das mehr Freiheiten bietet als große Labelveröffentlichungen, doch nicht nur die kämpferische Mentalität von Tape-Titeln wie „0 Fucks Given“ und „Still No Fucks Given“ trägt K. Michelle aus Atlanta auf ihr elegantes zweites Album mit. Ihre Eigenheit zeigt sie vor allem im Twang-Country-Finale „God I Get It“, das entgegen jeder Wahrscheinlichkeit nicht gimmickhaft, sondern wie das vorangehende „Drake Would Love Me“ einer der ergreifendsten Song darauf geworden ist. Über klassischeren Balladensoul, Boom-Bap und Wolkenbeats ist die Hauptattraktion vor allem K. Michelles Stimme mit der Potenz, alles niederzuschreien – doch ist es ihre besondere Stärke, wie im Eröffnungsstück bemessen zu können, wo sie wirksam nach oben hin ausbricht („Judge me, judge me all you want“) und wofür sie wieder runterkommt („I’m only human/ and I’m perfectly flawed“). So unverblümt, wie sie Schwächen eingesteht, verhüllt sie auch ihr Verlangen nicht („Missing you is way too hard to do/ I’d rather be fucking you“) oder sehnt sich lauthals danach, den perfekten Mann aus den besten Qualitäten ihrer Ehemaligen zu collagieren. Körperliche Autonomie ist bei der Frau, der im R’n’B niemand krum kommen will dermaßen selbstverständlich, dass sie denn auch ganz ruhig in Schlafzimmerlautstärke klarstellt: „Just want your body on mine/ And you can call it what you wanna/ But I’mma call you when I want it“.


